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„Groß-Hessen“ und seine Regierungsbezirke.
Abbildung: Hedwig
Unterdrücker. In dem deutschen Gebiet
(...) werden wir den Nationalsozialismus
und den deutschen Militarismus vernichten.“
In der Tat konzentrierten sich die
Amerikaner auf dieses Ziel, bestraften
die früheren NS-Funktionäre und entfernten
die Nationalsozialisten aus
Schlüsselstellungen und aus dem öffentlichen
Dienst. Aber sie boten den Deutschen
auch die Chance zum Aufbau
einer demokratischen Gesellschaft, was
angesichts der materiellen Notlage und
der politischen Prägung der letzten 12
Jahre ein schwieriges Unterfangen war.
Diesem Projekt verschrieben sich jedoch
auch zahlreiche politisch unbelastete
deutsche Bürger, Politiker, Verwaltungsleiter
und Wirtschaftsführer, die sich vor
allem unter den Überlebenden der Verfolgung
durch die Nationalsozialisten
fanden und von denen viele bereits 1933
ihre Stellung verloren hatten.
Angesichts der Zerstörungen und der
bedrohlichen Versorgungslage hieß es
zunächst, die Verwaltung wieder in
Gang zu setzen. In den Gemeinden,
Kreisen und Städten wie auch auf der
Ebene der Regierungspräsidien bediente
man sich der gegebenen Strukturen. Auf
höherer Ebene jedoch wurde eine weitere
Zusammenfassung angestrebt, und
dabei lag es vergleichsweise nahe, Länder
zu errichten – zumal die Zukunft des
Deutschen Reiches als Ganzes zwischen
den Alliierten nicht absehbar war. So
gründeten die Amerikaner am 19. September
1945 durch die Proklamation Nr.
2 ein altes Land neu, nämlich Bayern,
sowie die Länder Württemberg-Baden
und Hessen. Zurecht gilt diese Proklamation
als „Geburtsurkunde“ des Landes
Hessen, das damals noch „Groß-Hessen“
hieß. Das neue Land musste jedoch auf
jene Gebietsteile verzichten, die zwar
historisch dazu gehörten, nun aber in die
französische Besatzungszone fielen,
nämlich das rechtsrheinische Rheinhessen
und vier nassauische Kreise an der
unteren Lahn.
Nun konnten die Amerikaner und ihre
deutschen Partner mit dem Aufbau der
demokratischen Institutionen beginnen.
Ab Oktober 1945 durften sich Parteien
bilden, in der Folge Wahlen abgehalten
werden. Nach dem Prinzip „von unten
nach oben“ wurde zunächst in den
Kommunen bis maximal 20.000 Ein
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