Kirchengeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts entwickelt. Der „Lernort Landeskirchliches Archiv Kassel" richtet sich an alle, die die Erlebniswelt Archiv ohne Berührungs- und Schwellenängste kennen lernen möchten. [Schriften und Medien siehe unter www.ekkw.de/archiv.]
Kirchenbücher dokumentieren wie keine andere Quelle christliche Traditionen und stehen deshalb im Zentrum der Projektarbeit des Landeskirchlichen Archivs Kassel.
„Kirchenbücher, in welchen geschriebene Verzeichnisse der Gebornen, Copulirten und Gestorbenen eines Kirchspiels aufbehalten werden, sind um mehr als einer Ursache willen von erheblicher Nothwendigkeit. Beträchtliche Erbschaften können verloren gehen, aus Mangel des nöthigen Todten- oder Geburtsscheines, und öfters hat mancher viele mühsame Schwierigkeiten überwinden müssen, in Besorgung wichtiger Familienangelegenheiten, die durch ein wohl eingerichtetes vollständiges Kirchenbuch in der Kürze hätten können abgethan werden.

In wie manchen Vorfällen des menschlichen Lebens sind die Süßmilchischen Tabellen schon von erheblichem Nutzen befunden worden! Aber ohne Kirchenbücher würden weder Süßmilch, noch Andere, die sich mit diesem Zwecke statistischer Kenntnisse abgegeben haben, die Berechnungen haben anstellen können, auf welchen ihre Resultate beruhen. Einem Prediger selbst können die gut abgefaßten Verzeichnisse seiner Vorfahren zur nähern Kenntniß seiner Gemeinde, zu mancher Behutsamkeit in seinem Verfahren und zu andern guten Zwecken dienlich seyn."
Dieser zentralen Quelle mit hohem kirchlichen Identifikationsfaktor und kulturellen Wert widmet sich das Archiv gleich in drei Projekten.
Im Bereich der Kemaufgabe „Sichern und digitales Erschließen" sind das Projekt Einbandfragmente und das Projekt Kirchenbuchportal zu nennen. Beiden Projekten liegen Kooperationen mit ganz unterschiedlichen Einrichtungen zugrunde, zu nennen sind die Universität Kassel und der Verband kirchlicher Archive in der EKD. In einer weiteren Kooperation mit der Universität Marburg ist das Projekt Auswertung von Kirchenbüchern unter sozialgeschichtlichen Fragestellungen ange­laufen. Schale und Kern der Kirchenbücher - Einbände und sozialgeschichtliche Inhalte der Kirchenbücher werden gesichert und erschlossen. Und auch die Genealogen dürfen sich freuen - auf das Kirchenbuchportal. Opium und Musiknoten auf Kirchenbuchdeckeln - Einbandfragmente in kirchlichen Archiven aus Kurhessen-Waldeck entdeckt, erschlossen und digitalisiert.
Die Antworten waren verblüffend: „Wir haben elf, davon zwei aus dem 9. Jahrhundert und eines mit sehr deftigen pharmazeutischen Rezepten gegen die unterschiedlichsten Krankheiten". - „Unsere Kirchengemeinde hat zwei hebräische, die zusammen ein Blatt eines bisher unbekannten Esther-Kommentars ergeben." Die Rede ist von Einbandfragmenten, die durch die vorliegende Publikation wieder in das Bewusstsein der Pfarrer, Pfarrerinnen und Gemeindeglieder gerückt sind. Die Kirchengemeinden - hier im Gespräch Bad Sooden-Allendorf und Neuengronau - sind stolz, Eigentümer solcher Schätze zu sein. In Rengershausen etwa wurde im Silvestergottesdienst, der zum 900-jährigen Ortsjubiläum 2007 übergeleitet hat ein liturgisches Fragment aus dem 12. Jahrhundert präsentiert, „fast so alt wie der Ort selbst". Das identitätsstiftende Objekt ist Einband des ältesten Kirchenbuches Rengershausen von 1568.
Das Projekt begann im September 2003 mit einer Umfrage des Landeskirchlichen Archivs Kassel in allen Kirchengemeinden und anderen kirchlichen Einrichtungen, ob sie im Besitz mittelalterlicher Einbandfragmente sind. Die Auswertung von 735 verschickten Fragebögen ergab, dass in 35 Pfarrarchiven derartige Fragmente vorhanden sein mussten. Inzwischen liegen 178 Fragmente (zumeist Pergamenthand­schriften, aber auch fünf Inkunabeln) aus 55 kirchlichen Archiven vor. Sie bilden die Basis einer ersten katalogartigen Publikation.
Ziel des Projektes ist es, alle mittelalterlichen Handschriften- und Inkunabelfragmente in Pfarrarchiven und anderen Archiven der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck zu erfassen, zeitlich und inhaltlich zu bestimmen und digital abzubilden. Um diese Absicht angemessen umsetzen zu können, konnte der Leiter der Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek Kassel, Dr. Konrad Wiedemann, im Rahmen einer großzügig gehandhabten Amtshilfe zur Mitarbeit gewonnen werden. Zum anderen war Ralf

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