Aus Stadt und Land

 

Die ‚Landtafeln hessischer Ämter zwischen Rhein und Weser‘
– Wilhelm Dilichs Meisterwerk

 

Dem Fachgebiet der Mittelalterlichen Geschichte an der Universität Kassel unter Leitung von Ingrid Baumgärtner sowie der Universitätsbibliothek Kassel unter ihrem Direktor Axel Halle ist es in Zusammenarbeit mit der Historikerin Martina Stercken (Universität Zürich) zu verdanken, dass ein vielbewunderter Schatz endlich einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann. Eine aufwändig produzierte Publikation von Wilhelm Dilichs Landtafeln hessischer Ämter zwischen Rhein und Weser wird in den nächsten Wochen bei Kassel university press GmbH erscheinen. Die handkolorierten Aufnahmen der Landgrafschaft Hessen-Kassel zählen zu den herausragenden kartographischen und architektonischen Federzeichnungen des beginnenden 17. Jahrhunderts. Bis ins kleinste Detail veranschaulichen sie hessische Amtsbezirke mit ihren Landschaften, Siedlungen und Burgen vor den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges.
Der Historiker, Geograph und Festungsbaumeister Wilhelm Dilich (geb. 1571/72 in Wabern, gest. 1650 in Dresden) hat sein Meisterwerk in den Jahren 1607 bis 1625 entworfen. Landgraf Moritz der Gelehrte hatte ihn mit der Aufgabe betraut, die kartographische Landesaufnahme der hessischen Territorien vorzunehmen. Das Programm war auf insgesamt 174 Landtafeln angelegt, darunter drei Generaltafeln, acht Tafeln der als Quartiere bezeichneten Landesteile, 58 Ämterkarten und 105 Spezialkarten einzelner Orte. Obwohl Dilich sogleich mit den Vermessungen begann und ihn mehrere Gehilfen wie die Amtsträger vor Ort unterstützten, konnte er die Arbeiten in den Folgejahren nur teilweise ausführen. Das zu groß dimensionierte Projekt führte letztlich in ein ökonomisches Desaster. Der unzufriedene Landgraf sperrte Dilich die Besoldung und ließ ihn gefangen nehmen. Die Freilassung erfolgte gegen das nicht einlösbare Versprechen, die Arbeiten auf eigene Kosten fertig zu stellen. 1622 brachte ihn der Landgraf wegen angeblich zu Unrecht gezahlter Spesen erneut in Schuldhaft. Ein in diesem Zusammenhang angefertigtes Inventar zeigt, dass Dilich sein gesamtes väterliches Vermögen in eine reichhaltige Büchersammlung investiert hatte und keinen nennenswerten Besitz vorweisen konnte. Wann er aus der Haft freikam, ist umstritten. Vermutlich ließ ihn der Statthalter, der junge Landgraf Wilhelm, frei. Von Oktober 1624 bis zum Februar 1625 arbeitete Dilich mit vier bis fünf Helfern an einem Pergamentblatt für die Kaufunger Ritterschaft. Er beendete die Karte, kurz bevor er im März nach Dresden in die Dienste des Kurfürsten von Sachsen überwechselte.
Zu diesem Zeitpunkt waren von den geplanten 174 Landtafeln nur etwa 30 realisiert. Dazu gehörten Ämter, Bezirke, Gerichte und Territorien wie Reichenberg, Rheinfels, Rhens, Braubach, Hollnich im Hunsrück, Langenschwalbach, Eppstein und Liederbach in den Rheingebieten (1607–1609), zudem Wallenstein, Neukirchen, Ziegenhain, Jesberg, Schönstein und Homberg an der Efze in Mittelhessen (1611–1613) sowie weiter

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