Zweigvereine 59 und Organverschiebungen, letztere für die häufigen Ohnmachtsanfälle mitverantwortlich, wurden angesprochen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kamen in Europa die Unterhosen in Mode. Sie waren zunächst sehr offen, konnten aufgeklappt werden oder hatten gar kein Zwischenteil, was manchen Zuhörer/in offensichtlich unbekannt war. Den Abschluss des Vortrags bildete die Entwicklung der sogenannten Menstruationswäsche, die anhand von Reklamebildern der Firma Camelia geschildert wurde. Als Schlusspunkt zeigte Frau Piro-Klein noch ein Bild eines schicken „Baby-Doll“-Modells, um den Vortrag unter viel Beifall humorvoll abzurunden. Der Vortag wurde durch viele Fotos veranschaulicht, aber auch durch verschiedene Wäschestücke aus dem Museum des Klosters Frankenberg. Der dritte Vortrag in der zweiten Jahreshälfte wurde von Gustav Ohlendorf, Pfarrer i. R., unter dem Thema „Friedhofskultur in der Geschichte“ gehalten. Die Friedhofskultur in Deutschland gilt seit 2020 als „immaterielles Kulturerbe“. Sie war und ist Wandlungen unterworfen. Sie ist auch heute nicht einheitlich, sie hatte und hat unterschiedliche Ausprägungen. Nicht selten wurde gesagt: „Der Friedhof ist die Visitenkarte eines Ortes“. So begann der Referent seinen Vortrag über die Friedhofskultur. In Vorzeiten überwogen Feuerbestattungen und das Verbringen der Urnen in einem Grabhügel. Das Fürsten- bzw. Priestergrab befand sich in der Mitte. Die Christianisierung Europas zeigte sich bei der Ausrichtung der Gräber nach Osten. Kaiser Karl der Große machte Erdbestattungen verbindlich. Schon Luther riet davon ab, in der Ortsmitte zu begraben. Seitdem wurden neue Friedhöfe außerhalb angelegt, besonders ab 1850 und nach 1900. Stark beeinflusst in der Gegenwart wurde die Friedhofskultur durch Friedwald- Bestattungen ab 2001, eine „Erfindung“ aus der Schweiz und oft von Forstbetrieben in Deutschland umgesetzt. Hier spielt die Verbindung zur Natur bei den betroffenen Menschen eine entscheidende Rolle, Platzmangel in den Städten und Dörfern eine nicht geringere. Das frühe Kennenlernen unterschiedlicher Friedhöfe durch die Familie und der Beruf als Pfarrer über Jahrzehnte vermittelten dem Referenten einen umfangreichen Kenntnisstand über Friedhofskulturen, auch in anderen Ländern. Er beendete seinen Vortrag mit einer positiven Beurteilung von Sepulkralmuseen für Friedhofskulturen. Am Beispiel Kassel zeigte er kompetent auf, wie lange die Planung, Genehmigung und der Bau einer solch wichtigen Einrichtung für das Thema gedauert haben, nämlich 25 Jahre. Eine sehr informative Darstellung und vom Referenten mit viel Herzblut vorgetragen. Im letzten Vortrag in 2022 hatten wir nochmals einen engagierten Pfarrer i. R. mit dem Thema „Kunststraßen und Verkehrsentwicklung“ im Kreis Witzenhausen in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts eingeladen. Der Vortragende brachte in seiner redefreudigen Art viele Einzelbeispiele über den Ausbau von Verkehrswegen und Chausseen, die auch im späteren Kreis Witzenhausen als Kunststraßen bezeichnet worden sind. Welchen Einfluss diese Entwicklung auf Reisetätigkeiten und Handelsentwicklungen hatte, kam im Vortrag doch ein wenig zu kurz. Hier hätte man sich als Zuhörer noch mehr Informationen über die politischen Hintergründe und die wirtschaftlichen Voraussetzungen in diesem Zeitraum gewünscht, die diese Entwicklung sicher auch beeinflusst haben. Die Reaktionen im Publikum auf diesen letzten Vortrag in 2022 fielen dementsprechend auch sehr unterschiedlich aus.
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