Aus Stadt und Land 63 Aus Stadt und Land In einer großen Kraftanstrengung haben die Domgemeinde St. Petri mit maßgeblicher Unterstützung des Bistums Fulda ein neues Dommuseum und die Stadt Fritzlar mit Unterstützung des Landes Hessen, des Hessischen Museumsverbandes und der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen ein neues stadtgeschichtliches Museum „geschaffen“ (aufgebaut). Beide Museen konnten auf bereits bestehende museale Vorläufer und Traditionen zurückgreifen. Dommuseum und Domschatz Die Domgemeinde St. Petri besitzt eine über Jahrhunderte gewachsene Sammlung kunsthistorisch wertvollster sakraler Gegenstände, u. a. das sog. Kaiser-Heinrich-Kreuz, das bereits bis in das New Yorker Metropolitan Museum ausgeliehen war, ein romanisches Scheibenreliquiar oder ein romanisches Tragaltärchen. Dass es gelungen ist, durch alle Wechselfälle der Fritzlarer Geschichte – 1079 Zerstörung durch Rudolf von Rheinfelden, 1232 Zerstörung und Plünderung durch Landgraf Konrad von Thüringen, die Wirren des 30igjährigen Krieges, die Aufhebung des St. Petri-Stiftes 1802 mit dem damit verbundenen Eigentumswechsel an die hessischen Landgrafen –, große Teile des Fritzlarer Domschatzes in unsere Zeit zu retten, ist ein historischer Glücksfall. Trotzdem belegen Inventarverzeichnisse des 16. bis 18. Jahrhunderts eine Vielzahl heute nicht mehr vorhandener sakraler Objekte, zu denken wäre an die Kelche und das Altargerät für die zahlreichen, heute nicht mehr existierenden Altäre. Eine Ende des 19. Jahrhunderts angestellte Überlegung, Teile des Domschatzes zu verkaufen, um Sanierungen am Dom zu finanzieren, kam Gott sei Dank nicht zur Ausführung. Man entschloss sich dann, stattdessen die sakrale Sammlung in einer eigens dafür gebauten, äußerlich ansprechenden Schrankvitrine – heutiger Standort ist der Domladen – unterzubringen, die in dem heute noch Schatzkammer genannten Raum aufgestellt war. Dieser Raum befindet sich unter der ehemaligen Kapitelstube und wurde für sicher befunden, da er massiv gemauert und der Zugang durch eine Tresortür verschlossen war. Für einen touristischen Besuch war diese Art der Präsentation nur bedingt geeignet, da der Domschatz nur im Rahmen von Kirchenführungen gezeigt werden konnte, wie z. B. während eines Besuchs des legendären preußischen Generalfeldmarschalls von Mackensen im Jahre 1936. Erst weit nach dem 2. Weltkrieg, nach der Amtseinführung von Dechant Ludwig Vogel 1968, wurde ein völliger Standortwechsel des Domschatzes vorgesehen, geplant und unter wissenschaftlicher Mitwirkung von Prof. Dr. Ludwig Pralle, Fulda, bis zur 1250-Jahrfeier der Stadt Fritzlar umgesetzt. Ein großes, westlich des Domes stehendes „Waage“ genanntes, in Teilen noch spätromanisches Gebäude wurde zu einem Gemeindezentrum – einem „neuen Stiftssaal“ -umgebaut. Die bisherigen Räumlichkeiten, jetzt „der alte Stiftssaal“ im IM MUSEALEN AUSNAHMEZUSTAND – FRITZLAR ERHIELT IM JAHR 2022 ZWEI NEUE MUSEEN Clemens Lohmann
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