70 Aus Stadt und Land ein Schmelztiegel der verschiedensten Kulturen und Traditionen. Gerade für uns „Außenstehende“ ist es also unmöglich, ein vollständiges Abbild der chinesischen Kultur darzustellen. Verschiedene Themenschwerpunkte zeugen daher durch eindrückliche Objekte beispielhaft von der Vielfalt und Bedeutungstiefe jener chinesischen Kultur, auf die Theodor Rocholl um 1900 traf. Ein Fokus liegt beispielsweise auf dem chinesischen Volksglauben, in ihm vereinten sich gleich drei große religiöse Lehren, der Konfuzianismus, der Daoismus und der Buddhismus. Diese bestanden weitestgehend friedlich nebeneinander und beeinflussten sich gegenseitig. Im Zentrum jedoch, und mindestens seit etwa 3500 Jahren natürlicher Teil des chinesischen Alltags, stand die Verehrung der Vorfahren, der sogenannte Ahnenkult, der mit aufwändigen Ritualen und Zeremonien in der Ahnenhalle oder am Hausaltar praktiziert wurde. Auch das strikte Verwaltungssystem des Kaiserreichs suchte seinesgleichen, bildete es doch über mehr als zwei Jahrtausende das Rückgrat des chinesischen Imperiums. Seine Macht und sein Einfluss sicherten den gelehrten Beamten die Führungsrolle und machten sie zur Elite. Ihnen ist es auch zu verdanken, dass große Teile der chinesischen Kultur durch die lange Geschichte des Kaiserreichs mit all ihren politischen Wirrungen und Fremderoberungen hindurch erhalten wurde. Möglich wurde dies etwa durch das umfangreiche Schriftsystem mit etwa 50.000 Schriftzeichen, das sich vor etwa 3000 Jahren in China entwickelte und von den Beamten zur Dokumentation und Archivierung genutzt wurde. Darüber hinaus widmet sich ein weiterer Ausstellungsbereich etwa dem legendären und meisterhaften chinesischen Kunsthandwerk, dessen kunstvolle Verarbeitungstechniken bereits an europäischen Fürstenhäusern bekannt und begehrt waren. Beeindruckendes handwerkliches Geschick war auch in detaillierten Stickarbeiten zu finden, die zumeist von Frauen angefertigt wurden. Mit den zuvor erwähnten winzigen Seidenschuhen aus Rocholls Nachlass wird schließlich auch ein Einblick in die verborgene Welt der vornehmen Frauen möglich. Kuratiert und umgesetzt wurde die Ausstellung von Katharina Vock und Ute Kunold (beide Museumsmitarbeiterinnen und im Zweigvereinsvorstand des VHG). Ein besonderer Dank gilt außerdem Helmut Burmeister und Veronika Jäger, ohne deren hervorragende Arbeit zu Rocholl und seiner Zeit in China diese neue Schau gar nicht möglich gewesen wäre. Petriplatz 2, 34369 Hofgeismar, Tel.: 05671-4791, www.museum-hofgeismar.de. Führungen sind nach Vereinbarung (museum@stadt-hofgeismar.de) möglich. Der Eintritt ist frei, über Spenden für die Museumsarbeit freut sich das Museumsteam sehr. Blick in die Ausstellung