Aus Stadt und Land 69 Opiumkriege im 19. Jahrhundert gegen Großbritannien sind hier ein anschauliches Beispiel, dem auch die anderen Großmächte – unter ihnen auch Deutschland – folgten, um von China etwa Handelsrechte, -häfen und Einflussgebiete zugesprochen zu bekommen. So geriet das Kaiserreich zunehmend in koloniale Abhängigkeitsverhältnisse zum Ausland, dessen Einfluss im Land immer weiter zunahm. Aus der wachsenden Unzufriedenheit im Volk entsprang schließlich im Sommer 1899 der sogenannte Boxeraufstand. Die Mitglieder dieses Geheimbundes richteten ihren Zorn in Form von Gewalt gegen alle Ausländer und ihre Einrichtungen im Land, da sie das traditionelle chinesische Leben einschneidend veränderten und u. a. zahlreiche Arbeitsplätze verloren gingen. Nachdem sich die kaiserliche Regierung hinter die „Boxer“ stellte und den Westmächten den Krieg erklärte, wurde eine internationale Strafexpedition zur Niederschlagung der „Boxer“ nach China geschickt. Zusammen mit der deutschen Strafexpedition kam im Sommer 1900 Theodor Rocholl als „malender Kriegsberichterstatter“ im Auftrag des deutschen Kaisers in das ferne Land. Dort traf er auf eine Kultur, wie sie für ihn nicht fremder hätte sein können. Tief beeindruckt davon, spiegelte sich seine Faszination in seinen Werken und seiner Selbstbiografie „Ein Malerleben“. Während seiner Zeit in China konnte sich der Maler durch einen besonderen Pass frei bewegen und hatte überall Zutritt und Teilnahmeberechtigung. So konnte er zahlreiche interessante Objekte erwerben und mit nach Deutschland bringen (wie genau die Objekte in Rocholls Besitz kamen, ist aktuell leider nicht geklärt und gilt es noch zu erforschen – Stichwort Provenienzforschung). Zu den Objekten, die aus Rocholls Nachlass in die Sammlung des Stadtmuseums gelangten, zählen etwa kostbare Textilien wie ein Kaisermantel oder auch winzige Seidenschuhe für gebundene „Lotusfüße“ vornehmer Frauen, aber auch ein Schreibtischaufsatz sowie zahlreiche Mandarinabzeichen der Beamten. Zeugnis des meisterhaften chinesischen Kunsthandwerks findet sich außerdem in der filigranen Schnitzlackarbeit einer rot-grünen Vase, ebenfalls aus dem Besitz des Malers. Ein Blick über den eigenen Tellerrand Die Ausstellung einen Einblick in die Kunst und Kultur des Kaiserreichs um 1900: Religiöse Kultfiguren, kunstvolle Stickereien, symbolträchtige Motive und prächtige Jadeskulpturen sind nur einige Beispiele. Zu betonen gilt an dieser Stelle allerdings noch, dass es nicht DIE eine chinesischen Kultur gibt oder jemals gab. Ob der schieren Größe des Landes galt das Kaiserreich schon unter seinen frühen Kaisern als Vielvölkerstaat und war somit stets Fünfklauiger Drache. Eine kostbare Textilie in der Ausstellung