68 Aus Stadt und Land Auf den ersten Blick verbindet Hofgeismar und China recht wenig miteinander, daher mag eine Sonderausstellung zur Kultur des Alten China zunächst etwas verwunderlich wirken. Über den Maler Theodor Rocholl (1854– 1933), der sowohl hier in der Region als auch in dem fernen Land tätig war, kann die gesuchte Brücke schließlich geschlagen werden. Warum China in Hofgeismar? Der ausgebildete „Schlachtenmaler“ aus Sachsenberg/ Waldeck fand sich im Laufe seiner Karriere auf zahlreichen Kriegsschauplätzen wieder, deren militärische Motive er auf Leinwand festhielt. Einen Ausgleich und Ruhepol fand er dagegen im Reinhardswald, wo er sich regelmäßig aufhielt und Freundschaften knüpfte. Die hier entstandenen Landschafts- und Pferdemotive sowie sein Engagement für die Rettung des Sababurger Urwaldes im Jahre 1907 (Stichwort Naturschutz) waren ausschlaggebende Grundlage für die Entstehung der Rocholl- Sammlung im Stadtmuseum Hofgeismar. Trotz dieser thematischen Schwerpunktsetzung auf die heimischen Motive ergänzte der Museumsleiter Helmut Burmeister die Sammlung selbstverständlich auch um Motive aus seinen anderen Schaffensbereichen zur Dokumentation von Rocholls Gesamtwerk. Eine zusätzliche Spezialsammlung entstand schließlich um seinen Einsatz als „malender Kriegsberichterstatter“ während der Niederschlagung des sogenannten Boxeraufstandes in China in den Jahren 1900/1901. Im Rahmen einer großen Sonderausstellung im Jahr 2000 wurde dieses Thema samt umfangreicher Begleitpublikation von Helmut Burmeister und Veronika Jäger aufgearbeitet. Schon bei dieser Ausstellung ermöglichten originale chinesische Objekte aus Rocholls Nachlass einen Eindruck von der Epoche des vergangenen chinesischen Kaiserreichs. Seitdem konnte die „China- Sammlung“ durch zahlreiche weitere originale Objekte rund um Kultur und Lebensart aus Ankäufen und Schenkungen aus verschiedenen Quellen, besonders jedoch aus Rocholls Familie erweitert werden. Mit dieser beachtlichen Sammlung an kostbaren und kunstvollen Exponaten war die Erarbeitung einer Sonderausstellung, die sich im Speziellen der reichen und vielschichtigen Kultur des Jahrtausende lang bestehenden Kaiserreichs widmet, nur selbstverständlich. Trotz dieses gezielt gesetzten Themenschwerpunkts, kann und sollte dies nicht gänzlich isoliert von der politischen Situation betrachtet werden, in der sich das chinesische Kaiserreich und seine Kultur um 1900 befanden. Dieser politische Umbruch war es nämlich, der Rocholl überhaupt erst nach China führte und schlussendlich zum Ende der dortigen Monarchie beitrug. Rocholl im fernen Kaiserreich Lange Zeit schottete sich China weitestgehend von äußeren Einflüssen ab und pflegte lediglich durch den Handel über die Seidenstraße begrenzte Kontakte in den Westen. Um das Land weiter für den Handel zu öffnen, griffen die westlichen Großmächte wie Europa und die USA, aber auch Japan, auf militärischen Druck zurück und erzwangen sich so „ein Stück vom chinesischen Kuchen“. Die CHINA, WIE THEODOR ROCHOLL ES ERLEBTE. KUNST UND LEBENSART UM 1900 Eine Ausstellung im Stadtmuseum Hofgeismar vom 18. Februar bis 13. August 2023