Aus Stadt und Land 67 versteht sich von selbst. Gleichzeitig wurde über das Marburger Büro Hauer und Krause eine inhaltliche Konzeption mit dem Titel „Eine Stadt im Haus“ erarbeitet und umgesetzt. Das Konzept folgt dem Prinzip der Chronologie auf der Grundlage von Themeninseln. Die Ausstellungsobjekte werden präsentiert in modern gestalteten Vitrinen und Wandtafeln. So wird der Besucher durch die Ausstellung geleitet. Schubladen unter den Vitrinen mit weiterführenden Informationen und Hörstationen tun ihr übriges zum weiteren Verständnis der Ausstellung. Stadtgeschichtliche Museen haben immer das Problem, alle Daten und Aspekte der jeweiligen Stadtgeschichte darstellen zu wollen oder zu müssen, um den Interessen der einheimischen Bürger zu entsprechen; gleichzeitig haben sie – wie das Museum Hochzeitshaus – meist eine quantitative Fülle an Objekten, die nie alle ausgestellt werden können. Daher hat auch das Museum Hochzeitshaus eine entsprechende und zielführende Auswahl getroffen, um die Wendepunkte Fritzlarer Geschichte informativ und faktengesichert darzustellen. Der Besucher blickt unmittelbar nach seinem Eintritt auf ein in den Boden eingelassenes Flusskieselmosaik im Fischgrätenmuster, datiert in das 14. Jahrhundert, das bei Abbrucharbeiten in einem Fritzlarer Haus als Bodenbelag entdeckt worden war. Der Besucher wird geführt von Exponaten zur Ur- und Vorgeschichte – Stichwort Steinkammergrab, das hier in einer aufwendigen 3-D-Simulation zu bestaunen ist – zum Gründungsgeschehen der Stadt Fritzlar, also der Fällung der Donar-Eiche durch Bonifatius und dessen segensreichem Wirken. Es folgen Themeninseln zu Fritzlar als Kaiserstadt, zu geistlichem und religiösem Leben, Fritzlar als mainzischer Stadt im hessischen Umland und in der Zeit der Reformation. Im 1. Obergeschoß folgen das 16. Jahrhundert, der 30-jährige Krieg, noch einmal intensiv die Geschichte des Gebäudes Hochzeitshaus und seine Wechselfunktion für verschiedene Aspekte in der Fritzlarer Geschichte. Dargestellt wird anschließend Fritzlar in hessischer Zeit und als Garnisonstadt ab 1867, die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts mit zwei Weltkriegen, NS-Diktatur und Judenverfolgung. Trotz grundsätzlicher Verbundenheit mit dem Museum Hochzeitshaus – 40 Jahre Mitglied im Museumsverein – muss kritisch angemerkt werden: Im 1. Obergeschoss sollte an der Präsentation noch gefeilt werden! So gibt es viel freie Ausstellungsfläche, auch wenn noch einige Vitrinen nachfolgen. Von daher gesehen stellt sich die Frage, ob eine grundlegend andere konzeptionelle Anordnung der Ausstellungsvitrinen beider Stockwerke ermöglicht hätte, attraktive Objekte, wie die Knochen des in Fritzlar ausgegrabenen Mammuts – die in einer Großvitrine dargestellt immer große Aufmerksamkeit auf sich zogen – und die insbesondere für Kinder interessanten Dioramen zu erhalten. Vielleicht wäre die Einbeziehung geschichtskundiger autochthoner Fritzlarer Bürger in die Entscheidungsprozesse nicht verkehrt gewesen. Aber unabhängig von dieser Kritik: Wer sich eingehend über die Stadtgeschichte Fritzlars informieren möchte, ist im Museum Hochzeitshaus genau richtig. Auch für den Touristen ist es eine ideale erste Anlaufstelle, bevor er sich in Fritzlars historische Altstadt begibt. Kontakt: Museum Hochzeitshaus, Tel.: 05622- 798597. Seit Anfang dieses Jahres 2023 kann der Besucher ein Kombiticket erwerben für den Besuch beider Museen sowie des Grauen Turms.