2 Der Leitaufsatz zum Umschlagbild WÜRDIGUNG VON HEINRICH SCHÜTZ (1585–1672), DEM BEDEUTENDSTEN DEUTSCHEN KOMPONISTEN DES 17. JAHRHUNDERTS, AM 5. MAI 2024 ZU KASSEL (1) Hommage an Heinrich Schütz Als im Mai 2022 die Internationale Heinrich- Schütz-Gesellschaft e.V. in der Kasseler Brüderkirche mit einer Festveranstaltung des 350. Todestages von Heinrich Schütz und des 450. Geburtstages von Landgraf Moritz dem Gelehrten gedachte, wurde mir das Fehlen einer angemessenen, sichtbaren Würdigung dieser beiden kulturgeschichtlich für die Stadt Kassel so bedeutenden Persönlichkeiten an dieser Stelle besonders schmerzlich spürbar. Ich hatte mich 2013 in einem umfangreichen Beitrag im Schütz-Jahrbuch mit den Jugendjahren von Schütz in Kassel und Marburg befasst. Der Leitaufsatz zum Umschlagbild Dabei war mir die besonders enge Beziehung von Schütz zu Landgraf Moritz dem Gelehrten und dessen Sohn Wilhelm V. klargeworden. Sie führte dazu, dass die Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek in Kassel heutzutage weltweit die meisten originalen Musikalien von Schütz als besonders kostbaren Schatz bewahrt. Landgraf Moritz war es gewesen, der im Frühjahr 1599 den damals noch nicht 14-jährigen Schütz im elterlichen Gasthof in Weißenfels singen hörte und daraufhin den Eltern anbot, den begabten Jungen in seiner neugegründeten Hofschule Collegium Mauritianum ausbilden zu lassen. Im August 1599 begleitete der Vater Christoph Schütz seinen Sohn nach Hessen, der dort ununterbrochen die nächsten zehn Jahre seines Lebens verbringen sollte. Im Renthof, wo ab 1603 das Collegium Mauritianum untergebracht war, erhielt Schütz eine gediegene und ungewöhnlich breite Ausbildung und durfte anschließend in Marburg Jura studieren und dort im Schloss musizieren. Im Frühsommer 1609 erhielt er von Landgraf Moritz ein Stipendium für ein Kompositionsstudium bei Giovanni Gabrieli in Venedig. Als er im Herbst 1612 nach dem Tod seines geliebten Lehrers Giovanni Gabrieli zurückkehrte, konnte er Moritz sein opus primum, einen Band mit fünfstimmigen Madrigalen, überreichen, dessen Druck Moritz ebenfalls finanziert hatte. Das landgräflich-hessische Wappen ziert diesen Band. Schütz wurde 1613 neben seinem alten Orgellehrer Johann von Ende (1568–1625) zum Zweiten Hoforganisten ernannt und hatte