Der Leitaufsatz zum Umschlagbild 3 seinen Dienstsitz im Renthof, von wo er direkt auf die Orgelbühne in der Brüderkirche gelangen konnte. Seit 1609 stand darin die klanglich beste, wenn auch nicht größte Orgel Kassels, die der berühmte Hamburger Orgelbauer Hans Scherer der Jüngere mit seinem Bruder erbaut hatte. Knapp zwei Jahre lang konnte Schütz an dieser großartigen, 1944 leider verbrannten Orgel wirken. Dann musste er auf Drängen des sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. Kassel verlassen und wurde in Dresden zunächst zum Hoforganisten und bald darauf zum Kapellmeister ernannt. Dort hat er ein künstlerisches Werk geschaffen, das ihn zum wohl bedeutendsten deutschen Komponisten des 17. Jahrhunderts machte. Kummer und Leid, die Grausamkeiten des Dreißigjährigen Krieges haben ihre Spuren bei Schütz hinterlassen, dessen Altersbildnis einen gramgebeugten alten Mann darstellt, das sich in das kulturelle Gedächtnis aller Schütz-Liebhaber eingeprägt hat. Es ist daher von besonderer Bedeutung, dass der Künstler, der unsere Gedenktafel geschaffen hat, mein verehrter Kollege und Freund, Professor Adolf-Friedrich Holstein, langjähriger Ordinarius für Anatomie in Hamburg, bereit war, zu versuchen, einen jungen Schütz dazustellen. Prof. Holstein hat in und für Hamburg eine ganze Reihe von Porträts und anderen Skulpturen geschaffen, die durch ihre künstlerische Qualität überzeugen, weil sie den Charakter und die Persönlichkeit der dargestellten Personen unmittelbar aufscheinen lassen. Und ich denke, das ist ihm bei dieser Gedenktafel für Heinrich Schütz wiederum großartig gelungen. Denn der war gerade einmal dreißig Jahre alt, als er Kassel verließ und hatte seine bedeutende künstlerische Laufbahn noch vor sich. So zeigt diese Gedenktafel einen noch jungen, zukunftsgewandten, wachsamen und aufmerksam zuhörenden Schütz. Ich bin Prof. Holstein zutiefst dankbar, dass er seinerzeit ohne lange zu zögern meine Bitte aufnahm, diese Gedenktafel zu gestalten. Er hat das ohne jegliches Honorar zu verlangen gemacht, den Guss überwacht und die Montage vorbereitet. Dafür gebührt ihm unser aller Dank. Danken möchte ich aber auch allen Sponsoren, die ja teilweise anwesend sind, für ihre oft großzügigen Spenden, die den Guss und die Montage der Tafel ermöglicht haben. Darunter sind einige Mediziner-Kollegen und Kolleginnen, die sich auf Nachfrage bereit erklärt haben, das Projekt mitzufinanzieren. Ein weiterer Dank gilt Herrn Steinmetzmeister Fritz Krieger, der es sich nicht hat nehmen lassen, die Tafel persönlich in Hamburg bei Rekonstruktion der ursprünglichen Scherer- Orgel in der Brüderkirche (Dr. Chr. Presche)
vorherige Seite  -  zurück  -  nächste Seite
 
 
vorherige Seite  -  zurück  -  nächste Seite