4 Der Leitaufsatz zum Umschlagbild Prof. Holstein abzuholen, nach Kassel zu transportieren und fachgerecht anzubringen. Von lks.: Arno Paduch, Prof. Dr. Gerhard Aumüller, Dekanin Barbara Heinrich, Museumsdirektor i. R. Karl-Hermann Wegner Und schließlich möchte ich der Stiftung Alte Brüderkirche Kassel und ihrer Vorsitzenden Stadtdekanin Kassel danken, dass sie so bereitwillig den von Herrn Wegner und mir vorgetragenen Wunsch einer Gedenktafel für Heinrich Schütz an der Brüderkirche entgegengekommen sind. Lieber Frieder, darf ich Dich nun bitten, uns etwas von Deinen Gedanken zu verraten, die Dich bei der Gestaltung der Tafel geleitet haben? Prof. Dr. Gerhard Aumüller, Mitglied der Internationalen Heinrich-Schütz-Gesellschaft und des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde (2) Hommage an Heinrich Schütz Diese Gedenktafel wurde von Gerd Aumüller inauguriert. Uns verbindet eine lebenslange, kollegiale Wertschätzung und Freundschaft. Als er mich fragte, ob ich eine Gedenkplatte gestalten möchte und er mir dabei seine große Liebe und Verehrung von Heinrich Schütz und seiner Musik anschaulich darstellte, wurde es mir zu einer Freude, diese Tafel für ihn zu fertigen. Und als ich dann auch noch sah, dass der Psalmvers „Deine Rechte sind mein Lied in meinem Hause“ in den öffentlichen Raum gestellt werden sollte, war es mir eine große Ehre, diese Aufgabe zu übernehmen und das Vorhaben meines Freundes Aumüller effektiv zu unterstützen. Lange habe ich über den Psalmvers und seine Auslegung nachgedacht und dazu auch gründlich den endlos langen Psalm 119 gelesen und die Vertonung als „Schwanengesang“, die Schütz kurz vor seinem Tod vollendete, gehört. Tief bewegt von der Frömmigkeit dieses großen Musikers wandte ich mich dann meiner Arbeit zu. Für die Darstellung von Heinrich Schütz wählte ich als Vorlage einen Druck aus dem Jahr 1627, der ihn als 42jährigen Mann in höfischer Tracht abbildet. Er war damals bereits Hofkapellmeister in Dresden. Ein Bild aus jüngeren Jahren gibt es nicht. Beherrschend ist ein sehr bekanntes Gemälde von Christoph Spätner, das den über 70 Jahre alten, sehr würdigen und durchgeistigten Hofkapellmeister abbildet, dessen Leben von Sorgen und Leid gekennzeichnet war. Zeichnungen und Plastiken von Heinrich Schütz aus unserer Zeit verwenden meistens dieses Bild des alten Mannes als Vorlage. Da wollte ich doch lieber Heinrich Schütz in seinen besten Lebensjahren zeigen, der hier im Alter von 28 Jahren Organist an der Brüderkirche gewesen, aber auch in der Welt herumgekommen war. Immerhin hielt er sich drei Jahre in Venedig auf, um am Markusdom bei dem großen Organisten Giovanni Gabrieli zu studieren. Das läßt doch Ehrgeiz und Dynamik erkennen, ohne die eine solche Karriere nicht möglich gewesen wäre. Mit Hunderten von Musiken war Schütz ein extrem wacher und kreativer Geist. Also rührte ich den Gips an und häufte ihn auf einer Platte. Als er abzubinden begann, habe ich weggenommen, was zu viel war. So schälte sich langsam das Gesicht heraus. Natürlich ist nun „mein“ Schütz entstanden, wie ich ihn sehe. Ich habe mich zwar an den Druck von 1627 gehalten, aber eine neue plastische Interpretation des Aussehens von Heinrich Schütz in jungen Jahren geschaffen. So wurde es mir eine große Freude, an der Ehrung von Heinrich Schütz an diesem Ort seiner frühen Jahre beteiligt gewesen zu sein. Prof.Dr. Adolf-Friedrich Holstein, Hamburg