66 Zweigvereine Der Name leitet sich von Rössern am Fluss ab, alle anderen Deutungen seien nicht belegbar. In der Gewerbegeschichte spielten zunächst wegen der Waldnähe die Glasmacher eine Rolle, später aber auch die Leineweber. So verzeichnet die Chronik für 1750 nicht weniger als 50 Leineweber. Die Landwirtschaft prägte über Jahrhunderte das Leben in Roßbach. Heute vollzieht sie sich fast ausschließlich im Nebenerwerb. Trotzdem gehören die Miste vor dem Gehöft ebenso zum Ortsbild wie die Traktoren, die samstags durch die Straßen tuckern. Im Gefolge des zweiten Weltkriegs nahm die Bevölkerung rasant auf fast tausend Einwohner zu. Die Schule platzte aus allen Nähten, so dass man sich zu einem zweiten Bau entschloss. 2022 lag die Zahl der Einwohner bei 621. Die Roßbacher sind geschichtsbewusst. So halten mittlerweile 45 Info-Tafeln die Namen von Hausbesitzern oder Betrieben fest. Roßbach, davon konnten sich die Teilnehmer des Rundgangs überzeugen, hat sich abseits von Neubaugebieten seinen dörflichen Charakter bewahrt: Zwischen kunstvoll sanierten Fachwerkhäusern plätschert munter der Wilhelmhäuser Bach. Wasser sorgt immer noch für Leben. Werner Keller Das Flüchtlingselend nach 1945 wird im Museum im Bahnhof in Friedland dokumentiert. Über das Grenzdurchgangslager Friedland gelangten nach 1945 über vier Millionen Menschen in den Westen, wie bei einem Besuch des Geschichtsvereins Witzenhausen erläutert wurde. Über 20 Interessierte ließen sich über Geschichte und Entwicklung des Lagers informieren. Was einst in Zelten, Baracken und Notunterkünften begann, spielt sich heute in modernen Wohnbauten ab. Die Menschen, die in Friedland Zuflucht fanden, waren Flüchtlinge, Vertriebene und Ausgewiesene, Aussiedler und Spätaussiedler. Die allermeisten blieben nur eine Nacht und zogen dann weiter nach Westen. Nahe des Dreiländerecks Niedersachsen, Hessen und Thüringen und an der wichtigen Bahnlinie Kassel-Göttingen gelegen entstand die Erstaufnahmeeinrichtung am südlichsten Punkt der damaligen britischen Besatzungszone. Die Ausstellung Fluchtpunkt Friedland erzählt mit modernen Medien die bewegende Geschichte von der Arbeit des Lagers im Wandel der Zeiten. Sie wirft für die Moderne die Frage auf, was bringt Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen und wie kommen sie nach Deutschland. Für Hunderttausende von Spätheimkehrern aus russischer Gefangenschaft wurde Friedland in den 1950er Jahren das Tor zur Freiheit. Anrührende Bilder von den Ankommenden und ihren Angehörigen gingen um die Welt. Werner Keller Infos: Museum Friedland, Bahnhofstr. 2, geöffnet mittwochs bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Jeder erste Freitag im Monat ist Museum-FREItag mit kostenlosem Eintritt in die Dauerausstellung, einer zusätzlichen kostenfreien öffentlichen Führung (17 Uhr) und verlängerter Öffnungszeit bis 19 Uhr. Lesenswertes in Auswahl Für Millionen das Tor in die Freiheit Geschichtsverein besuchte das Museum in Friedland
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