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[Ueber]sicht der politischen Vereine, die in neuester Zeit sich bildeten. Der Verfasser bespricht zuerst die Zünfte der Handwerker und die Gilden der Handelsleute: er gibt an, daß schon 1348 die Krämer eine besondere Gesellschaft gebildet und eine bestimmte Ordnung unter sich gemacht haben. Sodann wendet er sich zu den Trinkstuben als den Vereinigungsörtern der nichtzünftigen Bürger. Sie werden 1352 urkundlich erwähnt, waren ursprünglich nur zum geselligen Vergnügen bestimmt und erhielten allmählig als Gesellschaften eine politischen Stellung, ohne Zweifel durch das Bestreben der ehrbaren Bürger, sich den Zünften und Zunftstuben gegenüber durch ähnliche Einigungen ihren Einfluß zu sichern. Der Rath erkannte in der Mitte des 15. Jahrhunderts die Trinkstuben Limburg, Laderam, Löwenstein, Salzhaus, und Ulner, (dies war der Name der Krämer Trinkstube) ausdrücklich an, erließ eine eigne Trinkstuben-Ordnung und es erscheinen fortan die Zünfte und Stubengesellschaften als eine politische Eintheilung der Bürgerschaft. So heißt es noch 1490, daß eine Verordnung allen Stubengesellschaften und Zünften abschriftlich zugeschickt, den andern gemeinen Bürgern aber, die nicht Stubengesellschaft haben noch zünftig sind, auf dem Rathhause verkündet werden soll. (Archiv VII S. 140). Ja im Jahr 1613 mußten alle unzünftigen Bürger in Gesellschaften eintreten.

Von diesen Stubengesellschaften lösten sich die zu Laderam und Löwenstein, über welche der Verfasser S. 201 noch Mehreres mittheilt, 1480 und 1482 auf; die Krämergesellschaft wurde 1616 mit den andern vom Rathe aufgehobenen, nur die Gesellschaften Limburg, Frauenstein und die s. g. freie Gesellschaft (aus welcher später das Collegium Graduatorum entstand) blieben bestehen. Den beiden erstgenannten, in denen sich von frühe an viele Rathsglieder befanden, war es gelungen, sich bei Besetzung der Rathsstellen den größten Einfluß zu verschaffen und ein Anrecht auf eine bestimmte Anzahl Stimmen zu erwerben. Sie suchten aber auch eine Geburts-Aristokratie zu erstreben und betrachteten sich als das Patriciat, den Stadtadel. Namentlich war früher Johann Friedrich Faust von Aschaffenburg und in neuerer Zeit F. C. v. Fichard bemühet, das adlige Herkommen der zur Gesellschaft Limburg gehörenden Familien zu erweisen. Wie aber Hegel in der allgemeinen Monatsschrift, 1854 S. 171 mit gewichtigen Gründen bestritten hat, daß die s. g. städtischen Geschlechter altfreien oder gar adligen Ursprungs seien, so hat Dr. Römer

               

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