..

— 394 —

 

welche Seite 7 bis 9 angeführt sind, allein zur Stimmenabgabe berechtigt sind, da nach der authentischen Erklärung des Art. 11 vom 3. Oct. 1833 Adelige, welche ein bürgerliches Gewerbe treiben, in der Abtheilung stimmen, wozu sie nach diesem Gewerbe gehören. Synonyma sind wohl Beruf und Stand; so wenig wir durch die Constitutions-Ergänzungsakte einen bevorzugten Schul- und Sprachmeisterstand, einen Buchdrucker- und Lithographenstand erkennen, so wenig vermögen wir durch dieselbe einen besonderen Adelstand in Frankfurt zu finden. Wir wollen zugeben, daß in der Reichsstadt durch das Recht der Besetzung von Rathsstellen es einen Patricierstand gegeben habe, aber jetzt ist dieser Stand doch nur als Antiquität zu betrachten, da die gesammte Bürgerschaft nur ein Ganzes bildet. Man fragt, worin die Standesrechte des Frankfurter Adels bestehen, da er das Monopol des großen freien Güterbesitzes — die Meisten haben gar keinen Immobiliarbesitz in hiesigem Stadtgebiet — das Monopol der Senats- und Richterstellen verloren hat? Man fragt, worin liegt denn der eigentliche und von dem Bürger unterscheidende Beruf des Frankfurter Adels als Stand? er kann doch nicht berufs- und zwecklos sein.

Ungegründet ist die Angabe, daß bei der Gesellschaft Limburg zu der Aufnahme in dieselbe eine Adels- und Ahnenprobe auf acht Schilde erfordert wurde; wir kennen mehrere Beispiele, daß Limburger Gesellschaftsglieder aus den niedern Ständen sich Weiber nahmen; in solchen Fällen wurde ausdrücklich bestimmt, daß nur der Mann für seine Person aufgenommen sei *), mit Ausschluß dessen Kinder; und doch finden wir, daß solche Kinder aus einer Ehe cum filia plebeji später recipirt wurden; sie sind mithin keine geborne Limburger und können nur als ganz neu eingetretene Familien betrachtet werden, bei denen die achtschildige Ahnenprobe, d. h. vier adelige Ahnen von Seiten des Vaters und vier von mütterlicher Seite, nicht geschehen konnte.

Auch die Angabe, daß Limburger turniermäßige Edelleute gewesen und selbst größere Turniere in den Jahren 1398, 1405 u. s. w.

_________________

*) Als noch die Andreastage, die Fastnachtsgelage u. s. w. mit den Frauen gehalten wurden, war man scrupulöser bei den Mesalliance-Ehen; so wurden, nach den Mengbüchern, 1561 Philipp Weis von Limburg, da er Lucretia Eger, 1579 Justus Jonas Rauscher, weil er sich in zweiter Ehe mit seiner Dienstmagd verehelichte, aus der Gesellentafel gestrichen, und Walter Weiß von Limburg, = 1569, der aus einer unstandesmäßigen Ehe erzeugt war, wurde die nachgesuchte Aufnahme in die Gesellentafel abgeschlagen. 1608 wurde das letzte Fastnachtsgelag gehalten. Da von dieser Zeit an keine Frauen mehr bei den Zusammenkünften der Limburger Mitglieder erschienen, so wurde man bei den Mißheirathen nachsichtiger, und wurden geborne Limburger, die mesalliirten, nur für ihre Person aufgenommen.

 

..