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ausgeschrieben hätten, ist gleichfalls ungegründet. Nicht eine einzige Urkunde wird vorgelegt werden können, worin die Gesellschaft Limburg ein allgemeines Turnier ausgeschrieben; unter sich ahmten sie den Rittern nach und hielten dergleichen Spiele als Gesellenstechen. Es scheint dem Verfasser unbekannt zu sein, daß in der Turnierordnung von Heilbronn von 1483 bei Goldast Reichshandlungen S. 25 ausdrücklich die Geschlechter *). der Stadtadel, sich an den Turnieren der Ritterschaft nicht betheiligen konnten. Die zu Frankfurt gehaltenen Turniere geschahen zur Belustigung bei Anwesenheit von Kaisern oder Fürsten; so die angeführten von 1398 wegen König Wenzel, von 1405, 1410 wegen König Ruprecht; Lersner I. 81,90. Aus den Rechnungsbüchern der Stadt ist ersichtlich, daß aus der Stadtkasse alle Unkosten der Turniere bestritten wurden. Vergl. Kirchner I. 599.

Wenn der Verfasser eine Familie als von einem Kaiser geadelt unter den Edelleuten anführt, so ist solches durchaus falsch. Wir kennen die Urkunde. Dieselbe ist, wie alle notarielle Urkunden, von kaiserlichen Notarien, im Namen des Kaisers von einem Comes palatinus, d. i. kaiserlicher Hof- und Pfalznotar, ausgestellt. Diese kaiserlichen Bevollmächtigten hatten das Recht, Doctoren, Licentiaten, Magister, Notarien zu machen, uneheliche Kinder zu legitimiren und Wappenbriefe zu ertheilen. Die angeführte Urkunde enthält nur das Recht, daß die genannte Familie ein Wappen führen darf; keineswegs ist dieselbe ein vom Kaiser ertheiltes Adelsdiplom, sondern ein Wappenbrief, wie noch viele Bürger hier solche haben, um das Siegelrecht ausüben zu können.

Wenn jedoch der Verfasser unter die Frankfurter Edelleute alle diejenigen zählt, welche von oder de sich bezeichnen, so hat derselbe noch viele hiesige Bürger vergessen, z. B. von Carben, von Hoven, von Hans, von der Au, von der Burg, von Chossy, de Nant, de Prée, de Prime, de Ther, de Giorgi, d’Orville, de la Raparlier u. s. w.

Wenn wir den Adeltitel bei Familien finden, deren Vorfahren nie in den pecuniären Verhältnissen waren, die bedeutenden Taxen zu zahlen, welche für einen Freiherrn 2000 fl., Canzleigebühren 650 fl., für einen Ritter 300 fl., Canzleigebühren 160 fl., Edler 130 fl., Canzleigebühren 94 fl., und Siegelgeld 13 fl. 30 kr. betrugen, welche Gebühren gradatim von der un-[tersten]

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*) Kirchner gab denselben die Benennung Altbürger; wir wünschten, daß eine einzige Urkunde vorgelegt würde, in welcher dieser Name vorkommt, denn ohne authentischen Beleg darf kein Geschichtschreiber neue Namen seiner Einbildungskraft erfinden.

 

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