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[hat]ten bisher eine oberflächliche Kenntniß von diesen Resten und hielten sie für ein altes Mühlenwehr, das unbeachtet blieb, bis die neueste Untersuchung die Sache aufgeklärt hat. Natürlich konnte nur eine unten mit spitzen Eisen beschlagene starke Stange (Fischerhaken) als Sonde und Messinstrument gebraucht werden; die ermittelten Maße machen, mit Rücksicht auf die unvermeidlichen Schwankungen des Nachens nur auf relative Genauigkeit Anspruch. Unsere Untersuchung ergab Folgendes: Ein mächtiger Pfeiler von 24’ Länge (dem Laufe der Nied entlang) zu 12’ Breite erhebt sich, gegen den Strom schräg zugespitzt, mitten in dem Flusse, den er theilt. Seine jetzige Mauerhöhe beträgt noch 2’ über der Sohle des Bettes. An beiden Ufern waren ebenfalls abgeschrägte Flügelmauern angebracht (dermalen noch 1’ hoch) 7’ laibig; die am linken Ufer steht 6’, die am rechten 12’ vom heutigen Uferrande ab. Zwischen dem Mittelpfeiler und jeder der beiden Flügelmauern ist hüben und drüben eine Stromweite von 10’ 5’’.

Durch diese Brücke ist die von jeher von allen Forschern unterstellte ständige Verbindung des Römerortes novus vicus Heddernheim sowie aller diesseitigen Römerstraßen und Römerwerke des Taunusgebietes mit dem jenseitigen oberen Mainlande topisch festgestellt. Die Beziehung unserer Brücke auf den novus vicus steht aber jetzt schon fest; indem das südlich die Principalstraße abschließende Thor des römischen Heddernheim (bei K. auf dem Plane Tab. IV. in Annal. des nass. Vereins Bd. I. vgl. mit S. 72) der Fundstelle geradlinig gegenüber liegt und die Principlastraße selbst genau in der verlängerten Linie von der Brücke zu diesem Thore von S. nach N. sich erstreckt, eine Linie, die nördlich verlängert nach der Saalburg hinzieht. – Genauere Erhebungen der auf jene Brücke bezüglichen alten Straßenzüge – deren eine östlich über Ginnheim nach dem Main, die andere nordöstlich nach dem noch unerforschten Römerdorf auf dem Plateau hinter Eschersheim hinzuziehen scheint, dessen erste öffentliche Erwähnung dem unermüdlichen Forschersinn und Forschereifer unseres Ehrenmitglieds Herrn Dr. Römer-Büchner (Beiträge z. Gesch. der Stadt Frankfurt 1853 S. 95) verdankt wird – behalten wir uns vor, sowie eine genauere Beschreibung und kartographische Darstellung in den Annalen unseres Vereins.

Wiesbaden, 2. October 1858.

Dr. Rossel.           

 

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