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Herr Dr. Kolbe theilte hierauf die nachfolgende Stelle aus der Selbstbiographie des schweizerischen Pfarrers Josua Maaler (abgedruckt in: Bekenntnisse merkwürdiger Männer von sich selbst. Bd. VI. Winterthur 1810. S. 254 ff.) als einen Beitrag zur Geschichte der Gefangenschaft des Landgrafen Philipp des Großmüthigen mit. Maaler erzählt nämlich seine 1549 unternommene Reise durch Frankreich nach England und von da nach den Niederlanden und wie er im August von Antwerpen nach Mecheln gelangt. Er erzählt wörtlich:

„Wir namend abermal im Namen Gottes unsere Läderpündel auf den Rügken, verrücktend uß Antorf, und kamen uff vier Myl von dannen in die schöne und lustig Statt Mechel, hatt fürtreffentlich schöne Hüser und Paläst und gar wytte Gaßen. Daa ist ein mächtiger Gwerb und Handel, die wulinen Tücher zu machen und zu ferwen. Es lag das Zyt dar in Keyserlicher Gefangenschaft, wie wol nit in einem Thurn, sonder in einer lustigen Behusung der durchlüchtig Fürst Landgraff Philips von Hessen, der izt regierenden Fürstenin lieber Herr und Vatter. Dem warend wenig Zyt vorhin sine vertruwtisten Fründ und Diener gar schmächlich an das Hochgericht uffgehänkt worden, dan sy jm unterstanden darvon zu helfen: Und war die Post sowol von eim Ort an das ander geordnet, das er gar licht hätte entrünnen mögen: Als er aber schon zu Roß gesin, hat jn ein alte Peck ersähen und kennt und mit luttem Schryen gemeldet, der Landgraff wölle entriten. Ist also uffgehalten und wider yn syn Gefangenschaft yngesetzt, die Fründ aber und Diener, wie obgemelt, zum Galgen hingefüret worden: - Die Gefärten so by uns warend, habends uns zeyget, als wir naache zu disem Hochgericht kamend: wir besahens mit Kumber und konntend by der guten Kleidung, wie auch sunst by anderen Gmerken gar lychtlich sähen, das es gar fürtreffenliche ansichtige Adelspersonen gsin sind, denen man zu sonderer Schmach jr höffische, gute Kleydung angelassen. Also ward der fromm Fürst fürbas dermassen streng verwaret, das jmm kein einzige Teütsche oder Oberländische Person zugelassen ward: Sunder 200 ußerkorne Spanier, alte Soldaten, habend inn by Tag und Nacht bewaaret. Unser Wirt in Mechel fürt uns uff eine steinene Prüggen, richtig vorüber dem Gmach oder Saal, in wölichem der Landgraaff verwaaret ward. Eben zu der Stund in wölicher die Wacht an- und abziehen, und der Land-[graaff]

 

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