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Dankbarkeit öffentlich gedenken. – Beim Abvisiren der römischen Straße rheinaufwärts ergab sich, daß ihre gradlinige Fortsetzung auf das linke Ufer der Nahe an der Stelle traf, wo noch heute der Kahn des Fährmanns die Verbindung des linken Naheufers mit der Stadt Bingen vermittelt. Im September und Oktober d. J. haben die letzten Untersuchungen der letzten Straßenreste stattgefunden, seitdem ist alles weggebrochen worden.
Sollen wir schließlich noch unsere unmaßgebliche Ansicht über die vielbestrittene Frage wegen der Lage des römischen Bingen aussprechen, wie sich dieselbe unter dem Eindruck vorstehender antiquarischer Beobachtungen gebildet, so möchte sich dieselbe etwa auf folgende Haupt-Gesichtspunkte zurückführen lassen :
1) |
Das Castell Bingium, wohin der trevirische Feldherr Tutor (nach Tac Hist. IV, 70) vor den nachrückenden Römern sich zurückzieht, lag am linken Ufer der Nahe. Es diente der oben beschriebenen Militärstraße als Schlußpunkt und zur Deckung des Nahe-Überganges als Brückenkopf. |
2) |
Die Gräberlinie zog sich, von dem Thore der nördlichen
Flanke des Castells beginnend, neben der Heerstraße hin. |
3) |
Das kleine Plateau, auf welchem im Mittelalter das Kloster Rupertsberg mit allen seinen kirchlichen und ökonomischen Gebäulichkeiten, Gärten u. s. w. Platz gefunden, bot für diese Befestigungsanlage den dominirenden Hauptpunkt dar, als Schlüsselpunkt gleichzeitig für die Rheinstraße nach Coblenz, wie für die ebenwohl an dieser Stelle einmündende Hunsrückstraße nach Trier, die wir als Rückzugslinie Tutors nach seiner Schlappe bei Bingen aufzufassen haben. |
4) |
Das Verhältnis der späteren steinernen Nahebrücke (an der Stelle der heutigen), auf der schmalsten Stelle des Passes zwischen den Abhängen des Rochusberges und den Steilabhängen des Hunsrücks, bedarf mit Rücksicht auf die ganze Vertheidigungsfähigkeit jenes merkwürdigen Terrainabschnittes, als des Knotenpunktes dreier Straßenzüge, eine wiederholte genaue Prüfung nach den Grundsätzen der römischen Strategie, und zwar des ersten Jahrhunderts, da die schon im zweiten und besonders im dritten Jahrhundert ganz veränderten Motive des Grenz-[kriegs] |
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