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Rauenthal. Wenn man von Rauenthal nach der Kling geht, findet man im Gehölz die Trümmer einer alten Burg. In deren verschüttetem Keller liegt noch der Wein in seiner Haut und verborgene Schätze harren des Finders. Zu dieser Burg gehörte der etwa 150 Schritte entfernte Galgenköppel. Er ist jetzt mühsam zu erreichen und stellt am Rande eines steilen Abhanges nach dem Grenzthale, welches von dem Schlangenbader Bach durchflossen ist, eine terrassirte Stein-Ebene von etwa 12 Schritt im Durchmesser dar. An der Nordseite derselben erheben sich die Granitfelsen, die Terrasse überragend, wie der Wildweibchenstein von Landenau im Odenwald.

Auf diesem Platze seien, wie mein Führer, ein Mann aus Rauenthal erzählte, ehedem Hinrichtungen vorgenommen worden. Eine Art Laube auf der einen Seite der Terrasse veranlaßte mich zu der Frage: ob denn hier sich zuweilen noch Leute aufhielten? Darauf antwortete mein Begleiter: Es geschehe wohl zuweilen, daß sich junge Leute auf diesem Stein zusammenfänden und miteinander tanzten! Man spreche aber nicht gerne davon. Mehr wollte er nicht sagen. Später erfuhr ich, daß er auf die Zusammenkünfte hingedeutet habe, welche dort zuweilen von Personen abgehalten würden, welche ihre Liebe pflegen. Es ist also eine Liebeshütte am Opferplatz.

Da scheint denn also noch das alte Gestein vor uns zu stehen, wie es vor zwei tausend Jahren war, und noch immer kommen die der Göttin Freya Opfernden hierher, wie ehedem die Priester der erwachenden Natur in der Frühlingszeit. Jetzt heimlich, damals öffentlich. Aber mit Tanzen und Sinnenlust, wie es die alte Gewohnheit im Baaldienste mit sich brachte. Denn alle Kelten verehrten den Sonnengott Baal. Eine Stunde aber von diesem Platz fand Dorov, bei Dotzheim, einen keltischen Steinaltar, mit seinen Rinnen zum Abfluß des Opferblutes.

Habe ich mich nun geirrt, wenn ich annehme, die Gebicke oder Gebücke seien ursprünglich Opferplätze gewesen, und erst im Mittelalter blos, aber nicht allenthalben, zu Verschanzungswerken geworden? Und hat nicht der „Hain der Drey-Eichen“ mit seinem Walddistrikt Gebück, mit dem Maiacker und seiner Lustwiese, zwischen Viehtriften der Nachbarorte, hart an der Grenze zweier großer Gaue,

 

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