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IV

Hierauf hielt Herr Major Wille, Director der Königl. Pulverfabrik zu Hanau, den angekündigten Vortrag über

 

Hanau's Entsatz

durch Landgraf Wilhelm V.  von Hessen-Kassel

(23. und 24. Juni 1636).

 

Das regierende Oberhaupt der Grafschaft Hanau-Minzenberg in der drangsalvollen Zeit, welche auf die Nördlinger Schlacht (5. und 6. September 1634) folgte, war Graf Philipp Moritz, der kleine Sohn seines grossen Vaters Philipp Ludwig II. Die Herrschaft hatte er wohl von ihm geerbt, leider aber nicht seine Thatkraftund Charakterfestigkeit. Sorgfältig erzogen, sogar leidlich gelehrt, besass der 29jährige Jüngling gerade die, einem deutschen Fürsten in jenem eisernen Zeitalter unentbehrlichsten Eigenschaften nicht. Von kriegerischem Sinn und muthvoller Entschlossenheit hat er niemals irgend welche Proben gegeben.

Kaum war die Hiobspost von Nördlingen nach Hanau gedrungen, als er seine Kostbarkeiten sauber einpacken liess und sich nebst Familie am 9. October ohne Sang und Klang empfahl, um über Mainz, Alzey und Metz nach Paris, später nach den Niederlanden zu gehen.

Herzog Bernhard von Weimar, welcher nach der Gefangennahme des Feldmarschalls Horn bei Nördlingen alleiniger Oberbefehlshaber der schwedigen Streitkräfte in Westdeutschland geworden war, legte einerseits hohen Werth auf die Behauptung der den unteren Mainlauf beherrschenden Festung Hanau und kannte andererseits die unkriegerischen Eigenschaften und Neigungen des regierenden Grafen zu gut, um ihm die Vertheidigung eines so wichtigen Postens anzuvertrauen. Vielmehr ernannte er schon am 10. September den bewährten Generalmajor Freiherrn v. Ramsay zum Commandanten von Hanau — eine Wahl, die der spätere Erfolg glänzend rechtfertigen sollte. Jakob von Ramsay, in Schottland geboren, war damals 45 Jahr alt und hatte sich schon bei Breitenfeld, sowie namentlich bei der Erstürmung des Marienbergs, der Citadelle von Würzburg, durch  

 

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