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XI Hof suchte ihn zwar bald durch freigebige Versprechungen zu ködern, bald durch grosssprecherische Drohungen einzuschüchtern. Der Landgraf wusste indes den wahren Werth beider genügend zu würdigen und blieb dem Gedanken an einen einseitigen Abfall von der gemeinsamen Sache der evangelischen Bundesgenossen völlig fern. Aber zu machtlos, um sich der, sein Gebiet rings umgebenden kaiserlichen Heere allein zu erwehren, und von Schweden, Frankreich und den Generalstaaten ohne die zugesagte Unterstützung gelassen, konnte er nicht umhin, einige Zeit in einer Art bewaffneter Neutralität zu verharren. Dies auf die Dauer unerträgliche Verhältniss erreichte erst sein Ende, als der schwedische Feldmarschall Alexander Leslie den Befehl erhielt, mit 8000 Mann zum Beistande des Landgrafen herbeizueilen. Trotz dieser nahen Hilfe fanden sich am Hofe zu Kassel immer noch einflussreiche Leute, welche den engen Anschluss an Schweden beharrlich widerriethen und vor sofortigem Losschlagen warnten; an ihrer Spitze stand der General Melander von Holzappel. In dies Stadium entschlusslosen Schwankens fielen nun wiederholte Botschaften aus Hanau, die immer trüber lauteten und immer dringender um baldigen Beistand baten. Schon im April erhielt der Landgraf die Nachricht, dass sich die Festung nur noch drei Wochen halten könne — eine Frist, die allerdings, wie die Folge lehrte, um reichlich einen Monat zu kurz angegeben war. Den tiefsten Eindruck machte die Kunde von der verzweifelten Lage ihrer Vaterstadt auf die energische Landgräfin Amalie Elisabeth, welche ohnedies die Seele der Kriegspartei am Kasseler Hofe war und mit vollem Recht befürchtete, dass der bevorstehende Fall Hanau's nicht nur für ihren Bruder, den Grafen Philipp Moritz, den gänzlichen Verlust der Grafschaft unvermeidlich nach sich ziehen, sondern auch das südliche Hessen seiner letzten Vormauer gegen den Einbruch der Kaiserlichen berauben müsse. Sie drang deshalb mit aller Entschiedenheit darauf, dass der zaudernden Zwitterstellung des Staates unverzüglich ein Ende gemacht und der Entsatz der Festung mit Waffengewalt erzwungen werde.
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