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XXIV

— und endlich nach London zur Pfalzgräfin Elisabeth, der Witwe des Winterkönigs, von welcher Wilhelm V. mit den wärmsten Lobsprüchen überhäuft wurde.

Gleichzeitig aber zogen sich von anderer Seite drohende Wetterwolken gegen die hessischen Lande selbst zusammen. General Götz war mit seiner ganzen Macht (25 Regimenter) vom Rhein durch den Westerwald aufgebrochen, um mit dem Feldzeugmeister de Geleen in Verbindung zu treten und in Niederhessen einzufallen.

Ausser dieser dringenden Gefährdung des eigenen Gebietes musste der Landgraf auch die Unmöglichkeit in Rechnung ziehen, seine zahlreichen Truppen in der gänzlich ausgesogenen Wetterau oder auf der anderen Seite des Main längere Zeit genügend verpflegen zu können, wenn nicht die für die Belagerten aus Hessen mühsam mitgeführten Vorräthe oder die von Frankfurt eintreffende Zufuhr stark in Anspruch genommen werden sollte.

Diese zwingenden Verhältnisse bewogen Wilhelm V., sowohl auf alle etwa noch geplanten Unternehmungen in südlicher und westlicher Richtung vorerst zu verzichten, als auch seinen Aufenthalt in Hanau nach Möglichkeit abzukürzen. Bereits den 26. Juni trat er deshalb den Rückmarsch nach Hessen an und lagerte an diesem Tage wieder bei Windecken, während der Rest seines Heeres Hanau unter dem 27. verliess. Wilhelm V. wurde bekanntlich in der Blüthe seiner Jahre am l. October 1637 zu Leer in Ostfriesland von einer heimtückischen Krankheit dahingerafft.

Aber seine Witwe Amalia Elisabeth liess sich weder durch ihren herben Schmerz um den Tod des geliebten Gemahls, noch durch die dräuenden Gefahren ihrer eigenen Lage abhalten, alle Pflichten als Regentin mit ebenso viel Muth wie Klugheit zu erfüllen. Durch beharrliche, mit weiser Mässigung gepaarte Entschlossenheit gelang es der hochherzigen Fürstin das lecke und dem Sinken nahe Staatsschiff den stürmischen Wogen des ringsum brandenden Krieges wieder zu entreissen. Als dann die fernere Existenz der Landgrafschaft glücklich gesichert war, fand Amalia Musse, sich auch der bedeutenden Opfer zu erinnern, welche Hessen-Kassel bei verschiedenen Gelegenheiten für Hanau gebracht  

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