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CXVI

haltung der Eigenliebe eine richtige Kenntniss seiner Kräfte zu verschaffen suchte und danach seine Pläne einrichtete. Die Wissenschaft braucht nicht bloss Grosshändler, und es sollte wohl jeder erst lernen, mit redlichem Streben in der Beschränkung zu arbeiten, die Kräfte erst zu sammeln und seine Studien einem bestimmten Gegenstand zuzuwenden. Der grosse Geist wird sich schon seine Bahn brechen; ein Fehler aber ist es, sich von vornherein für einen grossen, etwa nur schlummernden Geist zu halten. Mancher würde im Kleinen nützlich gewirkt haben, der vergeblich gearbeitet hat, weil ihm die Beschränkung fehlte.“

Mitten in den Vorbereitungen zur Ausgabe des Pausanias erfuhr Schubart, dass Chr. Walz in Tübingen mit der gleichen Absicht umgehe. Eine Correspondenz mit ihm bahnte eine Vereinigung zu gemeinsamer Arbeit an, als deren Frucht die dreibändige Ausgabe mit lateinischer Uebersetzung, Leipzig 1838—1839, anzusehen ist. Der kritische Apparat ist darin zum ersten Male vollständig gesammelt; die Arbeit bildet heute noch die Grundlage für jede wissenschaftliche Beschäftigung mit Pausanias und sichert ihren Herausgebern, von denen Schubart bei weitem das meiste dabei leistete, für immer den Dank der Philologen und Archäologen. Schon vor ihrem Erscheinen war Schubart, der sich um ein Lehramt an einem kurhessischen Gymnasium beworben hatte, im Januar 1834 zum Secretär an der Landesbibliothek zu Kassel ernannt worden An dieser Anstalt verbrachte er die ganze Zeit seiner Beamtenlanfbahn. 1850 wurde er zweiter Bibliothekar, 1874, nach dem Tode seines Collegen Karl Bernhardi, Vorstand der Bibliothek. Nach seinem eigenen Geständniss erkannte er in der Berufung nach Kassel eine göttliche Fügung, denn ein Jahrzehnt später fing sein Gehör an schwächer zu werden, und es bildete sich zuletzt eine Harthörigkeit bei ihm aus, die ihn zur Benutzung eines Hörrohrs zwang, um die Worte Anderer verstehen zu können. Nur die Stimme seiner Frau, einer Tochter des hochverdienten kurhessischen Geheimraths und nachmaligen Märzministers Schwedes, mit der er sich 1844 vermählte und die ihm die treueste und liebevollste Lebensgefährtin wurde, verstand er

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