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CXXIII

welche die verschiedenen Confessionen gegen einander üben müssten und erinnerte dann seine Gattin — Kinder waren dem Ehepaare nicht geschenkt — an die unvergänglichen Worte Lessings: „Wenn Gott in seiner Rechten alle Wahrheit und in der Linken den einzigen immer regen Trieb nach Wahrheit, obschon mit dem Zusatze, mich immer und ewig zu irren, verschlossen hielte und spräche zu mir: Wähle! ich fiele ihm mit Demuth in seine Linke und sagte : Vater gib ! Die reine Wahrheit ist ja doch nur für dich allein !“ Dann versank der Sterbende in einen Zustand der Bewusstlosigkeit, aus dem er nicht wieder erwachte. Am Nachmittag des 1. Mai verschied er. So ist Schubart, zweifellos eines der würdigsten Mitglieder der deutschen Gelehrten-Republik, dahingegangen, nachdem er in dem rastlosen Wissensdrange, der ihn bis in die Tage seines hohen Alters beseelte, so recht dem Verse des greisen Solon nachgelebt hatte :

„Γηφάσχω δ’αίεί πολλά διδασχόμενος."

Der letzte der vier Stifter des hessischen Geschichtsvereins ruhe sanft in hessischer Erde!

Albert Duncker.

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Zur Geschichte der Burg Schönstein*).

Am westlichen Abhang des Königsberges, in welchem sich der Sage nach vor Ausbruch eines Krieges ein Tosen von Pferden und Klirren von Waffen vernehmen lässt, liegt versteckt im prächtigsten Buchenhochwalde das wüste Schloss Schönstein **), dessen Geschichte bis zur Zeit der Hohenstaufen hinaufreicht. Gegenüber sieht man auf die ausgedehnten Waldungen des Jeust, den Fuss des Schlossberges bespült die Gilsa,

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*) Als Quellen dienten namentlich Landau's Handschriften auf der Landesbibliothek zu Kassel, vorzüglich unter v. Linsingen, v. Falkenstein und Schönstein.

**) S. v. Dehn-Rotfelser und Lotz, Baudenk mäler S. 254.

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