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CXXIX

Der Militairschriftsteller Major Max Jähns sagt in seinem „Handbuch der Geschichte des Kriegswesens", Leipzig 1880 S. 464, nachdem er die Beschreibung einer grossen Zahl von Ringwällen und zum Theil auch Grundrisse davon geliefert hat: „Die Lage mancher Erdschanze ist räthselbaft. Angesichts solcher Positionen wird man doch wohl daran thun, die ausschliessliche Bedeutung all' der alten Schanzen für militärische Zwecke nicht gar zu gewiss zu behaupten." Wenn so ein militärisch gebildetes Auge urtheilt, wird man um so mehr geneigt sein, zwei weitere Ringwälle als Cultusstätten zu bezeichnen, welche in F. Kruse's deutschen Alterthümern B. II. Heft 4-5 (Halle 1826) beschrieben sind. Vornehmlich ist dies die Dietburg im Grabfeldgau, deren Gipfel ein Riesenwall aus Basaltblöcken mit vier Oeffnungen nach den vier Himmelsgegenden umgürtet; viele Hügelgräber befinden sich in der Umgebung. Das verstärkende diot, diet (Volk) deutet an, dass hier vor Alters grosse Volksgerichte gehalten wurden. — Ebenso findet man im Kruse'schen Werke eine genaue Beschreibung des Burgwalles bei Schlieben im Gebiete der mittleren Elbe, zu dem ein Fusspfad, der heilige Steig genannt, führte. Im Innern der ansehnlichen Umwallung fand man eine mehrere Ellen hohe Schicht mit Brandresten, Urnenscherben (besonders von flachen Schalen) und in Urnen beigesetzte verbrannte Getreidekörner. Die Frucht schien theilweise mit der Garbe verbrannt zu sein. Auch bemerkten die Erforscher der Wälle eine abergläubische Scheu des Landvolkes, den Ort zu betreten.

Innerhalb Hessens würde noch der mit Sagen um-wobene Christenberg (Kesterburg) unter die aus vorchristlicher Zeit herrührenden Orte der Gottesverehrung mit hoher Wahrscheinlichkeit zu zählen sein. Hinsichtlich der auf dem Christenberg selbst auf der Ostseite befindlichen Wälle könnte man vielleicht auch die Franken in der ersten christlichen Zeit als Erbauer in Betracht ziehen, aber die Befesti­gungen der benachbarten und gleich Vorwerken die Kesterburg schützenden Befestigungen auf der Lüne-burg und Lützelburg tragen den Charakter der germanischen Ringwälle.

Mittheilungen.                                                9

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