..

XI

Auch mitten in den Wäldern konnton Waldsümpfe entstehen, wenn in den dichten Bestand der Sturm Löcher riss, die ganze Regenmasse unvermindert durch den früher in den Baumkronen hängen gebliebenen Theil auf den Boden niederfiel, Baumwurzeln das Wasser nicht mehr aufsogen, der sich setzende Boden es nicht mehr in die Tiefe einsickern liess und die stauende feuchte Waldluft die Verdunstung minderte.

Sumpfpflanzen und Torfmoose siedelten sich an und der Sumpf wuchs zum Hochmoore auf. Die immer höher steigende Mitte drückte auf die Ränder, dass diese in den Wald hineinwuchsen und das Moor erweiterten. Je höher es aufstieg, um so trockener wurde seine Oberfläche. In Stelle der Moose und Torfpflanzen trat Heidekraut, das für eine neue Bewaldung den Boden vorbereitete. Auf dem Grunde und auch in den Schichten solcher Moore legen in der Sturmrichtung hingestreckte Baumstämme Zeugniss ab von ihrer Entstehung.

Je schwankender die Oberfläche der Sümpfe, um so unzugänglicher sind sie. Schwer wahrnehmbare Fusspfade führen wohl zu Inseln, die als Zufluchtsstätten dienten. Die aus den Sümpfen aufsteigenden Fiebernebel wurden den Alten zu menschenfressenden Ungeheuern.

Heilig waren den Germanen die reinen Brunnen und Quellen Auch Wasserleitungsgräben verstanden sie zu ziehen, aber die Entwässerung der Sümpfe und die Eindeichung der Marschen sind späteren Ursprungs.

Ganz anders waren die Hutewälder. Das imSommer und auch den Winter über dort weidendeVieh verbiss die jungen Triebe und schälte die Stämme. Der Wald lichtete sich aus, bis nur alte borkige Bäume übrig blieben und nur in Dorngestrüpp junger Nachwuchs sich erhielt. Sonne und Wind hielten den Boden trocken. Dort steckten die alten Germanen die Gewanne zum Fruchtbau ab.

Dies sind die Heiden und Auen der Heldensage, die blüthenreichen Fluren der Minnesänger, die Jagdbreiten für die Falkenjagd, aber auch — nicht Wald und nicht Feld — die Wüsteneien der römischen Schriftsteller. 

..