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LXI

Die Zahl der Aufrührer, welche sich in Frankfurt zusammengefunden hatten, betrug nur etwa 200, darunter 20 aus Hanau. Sie wurden am 2. in drei, von Dr. Körner, Dr. Bunsen und Berchelmann befehligte Compagnien eingetheilt; die obere Leitung hatte Dr. von Rauschenplatt. Ihre Bewaffnung mit Bajonettgewehren, Pistolen, Patronen, Hirschfängern, Dolchen und Aexten war eine mehr als vollständige; selbst Signalraketen, um dem Landvolk vor den Thoren Zeichen zu geben, und Kartätschen, die aus den erst noch zu erobernden Kanonen verfeuert werden sollten, wurden mitgeführt.

Die erste 33 Mann starke Colonne, welche die Hauptwache überfallen sollte, sammelte sich um 9 Uhr Abends in Dr. Bunsens Wohnung und rückte unter Rauschenplatts Führung in aller Stille durch den grossen und kleinen Hirschgraben vor. An der Katharinenpforte angelangt, warfen sich die Aufrührer unter den lauten Rufen : „Hurrah! Freiheit! Fürsten zum Land hinaus!" auf die kaum 30 Schritt entfernte Wache, deren Mannschaft sich, wie gewöhnlich, in der Wachtstube aufhielt. Der Posten vorm Gewehr vertheidigte sich zwar nach Kräften und rief auch die Wache mit lauter Stimme heraus. Trotzdem gelang es den Angreifern leicht, sich der ungeladen in der Vorhalle hängenden Gewehre zu bemächtigen, worauf sie durch die eingeschlagenen Fenster eine Salve in die Wacht-stube hinein abgaben. Gleichzeitig öffnete der Sergeant der Wache die Thür und stürzte mit seinen waffenlosen Leuten in die Halle, er selbst ward erschossen und 5 Soldaten verwundet, die andern gaben sich gefangen. Der wachthabende Offizier hatte sich gleich bei Beginn des Lärms durch einen Sprung aus dem Fenster geflüchtet. Ein Soldat nahm eine Rolle mit 50 Gulden an ; aber keiner mochte gemeinschaftliche Sache mit den Aufständischen machen. Einigen Litteraten, die im oberen Stockwerk der Hauptwache gefangen sassen, wollte man Waffen geben, das war aber nicht nach dem Geschmack der Herren, obwohl sie früher in Wort und Schrift die Anwendung von Waffengewalt oft und dringend genug empfohlen hatten; am nächsten Morgen stellten sie sich alle wieder freiwillig als Gefangene. Ebensowenig Lust bezeigten auch die umher-

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