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LXII

stehenden Gaffer, der Aufforderung Dr. Bunsens zur Theilnahme am Kampf zu entsprechen. Vereinzelte Rufe: „Nieder mit der Bundesversammlung! Es lebe die Republik!“ bildeten das kümmerliche Resultat seiner Beredsamkeit. Neben einer hochgradigen Apathie machte sich der panische Schrecken, von dem der grösste Theil der Bevölkerung ergriffen war, am meisten bemerkbar. Ein ehrsamer Bürger, der um diese Zeit ein Weinhaus am Hirschgraben verliess, wurde, sobald er nur das Wort „Rebellion“ hörte, vom Schlage gerührt und sank entseelt zu Boden. Nur im Stadttheater liess man sich nicht stören, sondern gab die Oper „Robert der Teufel“ ruhig bis zum Schluss (gegen 11 Uhr).

Vor der Hauptwache machte Rauschenplatt schliess-lich noch den Versuch, eine Rakete steigen zu lassen, die den vor den Thoren harrenden Genossen das verabredete Zeichen zum Eindringen in die Stadt geben sollte. Als auch dieser Versuch misslang, raffte er in ziemlicher Rathlosigkeit etwa die Hälfte seiner Mannschaften zusammen und eilte mit ihnen nach der Constablerwache. Die zum Angriff auf letztere bestimmte, nur 18 Mann zählende zweite Abtheilung wurde von einem früheren polnischen Major angeführt; auch befanden sich dabei noch 3 polnische Offiziere in Uniform, sowie der ehemalige Sergeant Zwick vom Frankfurter Contingent. Nachdem sich die Theilnehmer im Gasthof zur Rose durch ein Glas Wein gestärkt hatten, erfolgte der Ueberfall ebenfalls Schlag ½10 mit dem Geschrei: „Es lebe die Freiheit und Gleichheit! Revolution! Fürsten zum Land hinaus!“ Der Posten vorm Gewehr fiel von zwei Bajonettstichen durchbohrt todt nieder. In die Wacht-stube eingedrungen liess der Sergeant Zwick unter dem Ruf: „Hände, wollt ihr hinaus!" auf die waffenlose Mannschaft eine Gewehrsalve abgeben ; von den eilig durch die Hinterthür Flüchtenden wurde einer erschossen und drei verwundet. Die Frau des Gefangenwärters, welche sich weigerte, einige der im oberen Stock der Wache befindlichen Arrestzellen zu öffnen, ward tödlich verwundet; einer der Befreiten, den man für den Gefängniss-Inspector ansah, erhielt einen Bajonettstich in den Unterleib, an dem er bald darauf starb. Mit vieler Mühe erbrach man das Thor des Zeughauses, fand aber

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