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LXIII darin statt der erwarteten Kanonen nur eine Feuerspritze. Ein Theil der Aufständischen durchzog nun die benachbarten Strassen und forderte das Volk auf, sich ihnen anzuschliessen. Ihre lauten Rufe: „Es lebe die Freiheit! Es lebe die Republik!“ fanden unter der Menge keinen Widerhall. Ebenso unwirksam blieb eine Ansprache, die ein Student am Domplatz von einem dort liegenden Fass herab unter grossem Aufwand von Begeisterung hielt: „Brüder, greift rasch zu den Waffen ; helft uns die Freiheit Deutschlands erkämpfen. Der Bundestag ist ein grosses Uebel für uns; wir gerathen über kurz oder lang unter die russische Knute! Auf säumet nicht!“ u. s. w. Unter Bunsens Führung hatten sich einige Studenten nach dem Dom begeben und zwei mit Laternen dort Wache haltende Polizisten gezwungen, ihnen auf der Thurmtreppe vorzuleuchten und beim Sturmläuten zu helfen. Die Thürmerin, welche den Eindringlingen mit der barschen Frage „Was wollen die Herrn so spät?“ entgegentrat, wurde durch handgreifliche Drohungen gleichfalls zur Mitwirkung genöthigt. Das unheilverkündende Geläute versetzte die Nachbarschaft des Doms in begreifliche Aufregung ; die vielen in der Nähe wohnenden Metzger suchten es mit Gewalt zu hindern, wurden indess durch die ihnen entgegen gehaltenen Flintenläufe zurückgeschreckt; etliche liefen deshalb nach Hause, um ihre Schlachtäxte zu holen: als sie zurückkehrten, waren jedoch die von dem Misslingen des Putsches inzwischen benachrichtigten Studenten schon wieder abgezogen. Nicht lange nach den ersten Schüssen an der Hauptwache eilte bereits eine Abtheilung Jäger unter Lieutenant Hämmerich (gestorben 1884 als Oberstlieutenant) im Laufschritt durch den Hirschgraben herbei. Auf Befehl ihres Commandeurs, Oberst Schuler, an dessen Wohnung sie vorüberkamen, mussten sie sofort scharf laden und die Hirschfänger aufpflanzen. Weitere Truppen sammelten sich bald auf dem Rossmarkt. Die Hauptwache wurde vor ihnen von den Studenten ohne nennenswerthen Widerstand geräumt, nur Julius Rubner aus Wunsiedel (von der Universität Würzburg) leistete verzweifelte Gegenwehr und gerieth schwer verwundet in Gefangenschaft. Die Constablerwache dagegen wurde hartnäckig vertheidigt und ihre Wegnahme |
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