..

LXXXI

stellte übrigens nur eine andere Form des Aneignungstalentes dar, welches die Offiziere jeden Ranges mit grosser Sachkenntniss entfalteten und worin ihnen der Obercommandirende, Herzog von Richelieu, mit gutem Beispiel voranging.

Gegen Mitte Februar 1758 wurde der Grafschaft Hanau eine Kriegssteuer von 1100000 Livres (= 1034000 Mark) auferlegt: davon entfielen 1309091/11 Livres auf die Stadt Hanau, welche überdies, um eine greifbare Bürgschaft zu erhalten, einseitig gesperrt wurde, d. h. weder Einwohner, noch Waaren und Güter durften sie mehr verlassen. Diese rücksichtslose Massregel that denn auch die beabsichtigte Wirkung; der Stadtrath fügte sich in das Unabwendbare; aber eine Härte gebar die andere; man beschloss, einen Theil der Steuer auf das unbemittelte Gesinde abzuwälzen; jeder Knecht oder Bediente sollte 2, jede Magd l Gulden zahlen. Nach dem Verzeichniss der Neustadt wurden hierzu 44 männliche und 343 weibliche Dienstboten herangezogen, jedoch nur mit der Hälfte des Ansatzes. Das grösste Haus machte danach der aus der Schweiz nach Hanau übergesiedelte „Plüsch- und Caffafabrikant“ Jean Daniel Leisler sen., der Begründer der noch jetzt blühenden Teppichfabrik. Sein Hausstand zählte 2 Mägde, l Kutscher, l Knecht und l Bedienten. Für den bis zum 25. Februar noch nicht aufgebrachten Betrag der Kriegssteuer leisteten mehrere angesehene Einwohner Bürgschaft; der Gouverneur, Graf de Lorges, hob deshalb am 27. die Stadtsperre wieder auf. Aber unmittelbar darauf (2. März) war man schon wieder mit neuen erheblichen Forderungen für die französische „Fouragekasse“ bei der Hand. Die fürstliche Regierung befahl deshalb die Vertheilung der geforderten Summe auf die wohlhabendsten Einwohner; in der Altstadt schwankten die Ansätze der einzelnen Betheiligten zwischen 50 und 600 Gulden ; in der Neustadt wurde Steuerrath Camp mit dem höchsten Beitrag von 4000 Gulden eingeschätzt. Sowohl Regierung, wie Bürgermeister und Rath befleissigten sich bei den desfallsigen Verhandlungen eines ungemein raschen Geschäftsganges; ebenso kurz und bündig war auch die Fassung der Zahlungsbefehle: „N. N. hat bei dermaligen Geld-

Mittheilungen.                                                                  6

..