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III

war Duncker im Verkehre jedermann gegenüber von einer fast unerschöpflichen, stets sich gleich bleibenden Liebenswürdigkeit, die selten und nur dann sich verläugnete, wenn er in einem berechtigten Interesse durch das Uebelwollen Widriggesinnter sich verletzt glaubte. Schubart war der Mann, masslos übertriebene Anforderungen, wie sie mitunter selbstsüchtiger und eigensinniger Unverstand Einzelner der Rücksicht auf die Gesammtheit zum Trotze an den guten Willen, die Zeit und die Kenntnisse des Bibliotheksbeamten stellt, mit heilsamer Derbheit zurückzuweisen ; Duncker blieb selbst in solchen Fällen entgegenkommend und verstand es, wenn er die Unersättlichen nicht sättigen konnte, ihnen durch die Fülle des Gebotenen wenigstens den Mund zu stopfen. Schubart, so bereit er stets war, ernsten, wissenschaftlichen Benutzern der Bibliothek nach Kräften sich hülfreich und förderlich zu zeigen, hielt es nicht für die Aufgabe der Anstalt und ihrer Beamten, den gebildeten Dnrchschnittsbesuchern die Wege zur Befriedigung ihrer doch auch berechtigten litterarischen Bedürfnisse allzusehr zu ebnen und bequem zuzurichten ; Duncker machte auch diesen Leuten durch sein Entgegenkommen den Besuch und die Benutzung der Bibliothek angenehm, theils aus natürlicher Liebenswürdigkeit, theils weil er nicht mit Unrecht der Meinung war, dass es für das Ansehen und die ganze Stellung der Anstalt wie ihrer Beamten nur nützlich und förderlich sein könne, wenn ihr aus den weitesten Kreisen freundliche Gesinnung und Anerkennung entgegengebracht werde. Schubart war eben auch als Bibliothekar ein Mann der strengen Wissenschaft, der das 'odi profanum volgus et arceo' nie ganz verleugnen konnte. Er war deshalb und wegen seines verkehrhindernden Gehörleidens sogar vielen regelmässigen Bibliotheksbesuchern kaum bekannt, von manchen wurde er geradezu gefürchtet; er hat mir mehr als einmal mit einem gewissen Behagen erzählt, dass früherhin ein nicht unzutreffender Witz der Kasseler Primaner seinen  Kollegen Bernhardi als den spirilus lenis, ihn selbst als den spiritus asper der Landesbibliothek bezeichnet habe. Umgekehrt war Duncker, der bei aller Wissenschaftlichkeit auch im Leben und im Verkehre

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