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XI

wirthschaftliche Verhältnisse Hessens im landwirtschaftlichen Centralvereine zu Kassel hielt. — Charakteristisch für den Mann ist auch der Streit, den er im November und December 1883 mit dem bekannten Kunstschriftsteller W. Lübke in den Spalten der Hessischen Morgenzeitung ausfocht. Lübke hatte in einem die Kasseler Gallerie betreffenden Aufsatze der Münchener Allgemeinen Zeitung, den die Morgenzeitung nachdruckte, sich einige bei den Haaren herbeigezogene heftige Ausfälle über Hessische 'Erbärmlichkeiten', namentlich über den Landgrafen Friedrich II. und seine 'Verschacherung von Landeskindern' geleistet. Duncker liess sofort in der Morgenzeitung eine gebührend scharfe Entgegnung erscheinen, in welcher er die Ausfälle des Herrn Lübke und der zahlreichen anderen Leute, 'die von der Hessischen Geschichte nichts als den sogenannten „Soldatenhandel", die „Maitressenwirthschaft" und die „Verfassungskämpfe" kennen wollen', auf ihren wahren Werth zurückzuführte und gegen sie öffentlich Einspruch erhob.

Nach Schubart's Pensionirung war Duncker am 2. November 1881 zum ersten Bibliothekar und alleinigen Leiter der Anstalt aufgerückt. Längst war er heimisch geworden in der Bibliothek und lebte dem neuen Berufe mit vollster Neigung und Hingabe. Sein vorzügliches Gedächtniss verschaffte ihm eine mit der Zeit zusehends noch wachsende ausgebreitete Litteraturkenntniss selbst in den ihm persönlich ferner liegenden Fächern und befähigte ihn in hervorragender Weise zur Erledigung der tausendfachen Wünsche und wissenschaftlichen Anfragen der Bibliotheksbenutzer. Nie ward es ihm dabei der Mühe zu viel und gross ist die Zahl derjenigen, welche ihm für seine wirklich unerschöpfliche Gefälligkeit, für seine über das Mass des Verlangten oder — Verlangbaren weit hinausgehenden Nachweisungen zu lebhaftestem Danke verpflichtet sind.

Es ist hier nicht der Ort, auf Duncker's lediglich bibliothekarische Thätigkeit näher einzugehen. Kurz erwähnt sei auch hier die von ihm veranlasste und im Jahre 1883 ausgeführte Aufstellung zweier grossen Schaupulte, in denen eine Auswahl seltener Handschriften und sonstiger Kostbarkeiten fortan zu bestimmten Zeiten

 

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