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Die Monatsversammlung am 28. November c. eröffnete der Vorsitzende durch Mittheilung über Ab-und Zugang und gedachte insbesondere des durch den Tod ausgeschiedenen verdienstvollen Mitglieds, des Herrn Metropolitans Rommel zu Rotenburg. Der Vorsitzende erwähnte sodann die von Seiten des Herrn Oberpostkassen-Buchhalters Jänecke und des Herrn Museumsinspectors Lenz zu Kassel dem Vereine übermittelten Geschenke und sprach den Schenkgebern den Dank des Vereins aus.

Hierauf folgte der angekündigte Vortrag des Herrn Bibliothekars Dr. Brunner über Oeffentliches Leben in Kassel unter König Jérôme“.

Redner schilderte die Einzugsfeierlichkeiten beim Empfange des Königs in seiner neuen Residenz und bei der Huldigung am 21. Januar 1808, das Gebahren und die Missgriffe der Regierung dem hessischen Volke gegenüber einer-, ihr Geschick, der Bevölkerung der Hauptstadt durch Feste und glänzende Prachtentfaltung, zumal an den Geburtstagen des Königs, zugefallen, anderseits. Zahlreiche Beispiele zeigen, wie die Begeisterung in Kassel gemacht wurde. Kaum waren die Majestäten 14 Tage von der Hauptstadt entfernt gewesen, so wurden sie mit feierlichen Deputationen eingeholt. Kanonendonner und Illuminationen durften nicht fehlen. Die Anwesenheit der Mutter Jérômes, der Lätitia, gab aufs neue hierzu Veranlassung. — Der Vortragende entwarf sodann ein Bild des geselligen Lebens theils am Hofe, theils in der Bürgerschaft, der Cafés, Restaurants, Balllocale u. s. w. Er führte aus, dass die Bürger Kassels damals eigentlich durch die Franzosen die Schönheit ihrer eigenen Gegend erst kennen und schätzen lernten. — Einen drohenden Fingerzeig in dem üppigen Treiben des Hofes bildete der Brand des alten Landgrafen-Schlosses. Die Ahnung kommender schwerer Ereignisse aber legte sich auf die Gemüther, als der Krieg mit Russland ausbrach, und auch das glänzende Geburtsfest des Königs im November 1812 vermochte sie nicht zu verscheuchen.

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