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LIII

peinliche Mittheilungen der Kenntnis der Nachwelt zu entziehen. Wollte die katholische Partei die Früchte des errungenen Sieges nicht, einbüssen, so musste derselben Alles daran gelegen sein, Friedrichs Uebertritt vorläufig noch unbedingt, geheim zu halten. Dies gelang denn auch so vollständig, dass Wilhelm VIII, der inzwischen, nach dem am 5. April 1751 erfolgten Tode Friedrichs I. von Schweden, die Regierung von Hessen-Kassel selbständig übernommen hatte, erst nach 5 Jahren (am 8. September 1754 zu Hanau) durch ein Schreiben der Herzogin Sophie von Braunschweig den Abfall seines Sohnes erfuhr. Der Landgraf war damals bereits 72 Jahre alt, dabei körperlich leidend und kränklich, aber geistig noch in voller Frische und Thatkraft. Er ergriff deshalb sofort die erforderlichen Massregeln, um seine Enkel und das Land gegen die zu befürchtenden Nachwirkungen jenes Schrittes sicherzustellen. Damit stiess er insofern nicht auf besondere Schwierigkeiten, als der Erbprinz den an ihn abgeordneten Vertrauensmännern ohne weiteres erklärte, er sei nicht gesonnen, seinem Uebertritt irgendwelche staatsrechtlichen Folgen zu geben; den ihm nahe gelegten Rücktritt zum evangelischen Bekenntniss lehnte er dagegen entschieden ab. Der Landgraf liess nun die oben erwähnte „ Assekurationsakte“ aufstellen, die mit solcher Vor- und Umsicht abgefasst war und alle irgend wesentlichen Einzelheiten so vollständig berücksichtigte, dass ihr die Evangelischen ungetheilte Bewunderung zollten, während auf katholischer Seite die Aeusserung fiel, der Böse selbst müsse dabei geholfen haben“. Diese Urkunde umfasste 19 Abschnitte, von denen der für Hanau wichtigste und auch am meisten angefochtene der vierte war, welcher den Prinzen von der Erbfolge in der Grafschaft Hanau-Minzenberg gänzlich ausschloss und alle Hoheitsrechte seinem ältesten Sohn übertrug, sodass Landgraf Wilhelm auch nur für diesen die Regierung führte. Ferner wurde die Erbprinzessin durch letztwillige Verfügung vom 21. Dezember 1754 mit der Verwaltung der Grafschaft für ihren unmündigen Sohn betraut. Der Landgraf hielt sich zu diesen Massregeln staatsrechtlich für befugt, weil sein älterer Bruder, Friedrich I., am 23, April 1735 auf die ihm zustehende Erbfolge in

 

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