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LIV

Hanau-Minzenberg verzichtet und er selbst demgemäss diese Erbschaft am 28. März 1736 auf Grund des Erbvertrages von 1643 („ex pacto et providentia majorum") angetreten hatte, sodass er als „primus acquirens" unbeschränkt über die Grafschaft verfügen zu können glaubte. Der Abschnitt 4 war denn auch der einzige, welcher dem Erbprinzen beim Durchlesen der Urkunde einen augenblicklichen Ausbruch seines gekränkten Gefühls entlockte („Das ist ja eine förmliche Enterbung!“); dessenungeachtet vollzog er, nachgiebig wie immer, die gesammte Akte nebst den „Reversalien“ am 28. Oktober 1754 ohne ernsten Widerspruch. Doch auch hieran liess sich Wilhelm VIII. noch nicht genügen, sondern nahm überdies und mit Erfolg für die Gewährleistung der „Assekurationsakte“ die evangelischen Fürsten Europas in Anspruch, namentlich den ihm befreundeten Friedrich den Grossen, sowie Georg II. von England, welchen sich auch Dänemark, Schweden und die Niederlande anschlossen. Ebenso wurde die Akte als Grundgesetz des fürstlichen Hauses und Staates von den Ständen der Landgrafschaft ausdrücklich gebilligt. Endlich traf Wilhelm noch die letztwillige Verfügung, dass der Erbprinz, selbst wenn er das evangelische Bekenntniss wieder annähme, vom Besitz der Grafschaft Hanau dennoch ausgeschlossen bleiben solle. Diese Bestimmung schoss indess über das Ziel hinaus und wirkte vermuthlich mehr nachtheilig, als segensreich, denn ohne sie würde Friedrich später wahrscheinlich zurückgetreten sein. Die edle Erbprinzess Maria, eine Tochter Georgs II., war im Alter von 16 Jahren (Juni 1740) mit Friedrich vermählt worden. Obgleich dieser Ehe 4 Söhne entsprossen, hatte eine wahrhaft innige Zuneigung und Uebereinstimmung zwischen den Gatten doch wohl nur in den ersten Jahren obgewaltet, während sich später, in Folge der fehlerhaften Charakter-Eigenschaften und Neigungen des Prinzen, eine stetig zunehmende Entfremdung fühlbar machte; sein Abfall vom gemeinsamen Glauben zerriss nun das längst gelockerte Band vollends (Februar 1755). Bald darauf begab sich Friedrich nach Hamburg; auf diese Trennung von seinem Vater bauten die Katholiken grosse Hoffnungen, die sich auch in der That zu verwirklichen schienen, besonders als Papst

 

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