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LXXXIII

im letzten Jahre in einem Hofe des nordöstlichsten Theils des Dorfes gefunden war. Dass es die östliche Schmalseite eines hier an der Stelle der ältesten Theile von Kesselstadt gelegenen, mit der südlichen Breitseite nach dem Main gerichteten Castells war, wurde mit Bestimmtheit, und wie sich später ergab, mit Recht angenommen. Die ganze Situation machte es, wenn man die gewöhnliche Grosse der rechtsrheinischen Castelle annahm, wahrscheinlich, dass die nördliche Hauptstrasse des Dorfes der Nordfront, die östliche Querstrasse der Ostfront des Castells entsprachen. Nur das letztere war richtig: ein durch einen glücklichen Zufall beim Graben eines Brunnens — Ausgrabungen waren hier wegen der zusammenhängenden Häuserflucht nicht, möglich — gefundenes, dem früheren ganz gleichartiges Stück Gussmauer, lag genau in der in den Dorfplan eingezeichneten Fluchtlinie. Da es von jenem 150 m., die gewöhnliche Länge der Schmalseite grösserer Limes-castelle, wie z. B. der Saalburg, entfernt war, konnte man um so weniger annehmen, dass die Anlage sich über das Dorf hinaus nach Norden erstreckt habe. Und doch mussfo man sich dazu entschliessen, als alle Nachgrabungen in der westlichen Verlängerung der nördlichen Dorfstrasse keine Spuren der Nordfront erkennen liessen. Als aber Versuchsgräben in den Gärten und Aeckern nördlich vom Dorfe die Fundamente noch in einer Entfernung von mehr als 350 m vom südlichsten erreichten Punkte schnitten, da wurde es zweifellos, dass das Castell mehr als doppelt so breit war als die grössten bekannten Limeceastelle und sehr wahrscheinlich, dass die nördliche Dorfstrasse, wo man die Nordfront angenommen hatte, vielmehr der durch die Mitte führenden Via praetoria entsprach. Auf diese Vermuthung hin und unter der Voraussetzung, dass ein im vorigen Jahre aufgedecktes Thurmfundament, welches damals wegen der grossen Entfernung von fast 400 m. von der entdeckten Ostfront nicht als Bestandtheil des Castells, sondern als isolirter Strassenthurm betrachtet worden war, der Westfront unseres Castells angehörte, wurde ein quadratförmiger Grundriss in die Katasterkarte des Dorfes und seiner nächsten Umgebung eingetragen und durch Versuchsgräben, die senkrecht gegen die

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