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LXXXVIII

dort Legions- und Cohortenstempel in grosser Anzahl und von verschiedenen Truppentheilen gefunden wurden. Ob zwischen Kesselstadt und Friedberg noch befestigte Zwischenstationen vorhanden waren, ist gegenwärtig noch eine offene Frage, jedoch lässt sich dies wohl annehmen, da die Entfernung von 31/2 Meilen (Luftlinie) zwischen beiden Orten zu gross ist, um eine gesicherte Verteidigung zu ermöglichen. Eine solche Zwischenstation kann vielleicht auf „der Haide" bei Kaichen gesucht werden, weil dieser Ort genau in der Mitte zwischen Kesselstadt und Friedberg liegt und ausserdem Dieffenbach im Jahr 1836 hier „Brandspuren, Bruchsteine mit Mörtel, viele Backsteine von bestimmt römischem Ursprung, Gefässstücke von lemnischer Erde und mit römischen Verzierungen“ fand. (Diegenbach, Urgeschichte der Wetterau S. 231 und Urgeschichte von Frankfurt und der Taunus-Gegend von Dr. A. Hammeran S. 49.) Was nun die militärische Bedeutung von Kesselstadt anbetrifft, so konnte für den vorliegenden Zweck kaum eine günstigerere Stelle zur Anlage einer Befestigung gewählt werden. Ganz abgesehen davon, dass dieser Ort wie ein Blick auf die Karte lehrt, bereits dadurch angezeigt war, dass hier der Main aus der nördlichen in die westliche Richtung übergeht, sicherte ein Castell an dieser Stelle auch die Schifffahrt auf diesem Fluss, was namentlich in der ersten Zeit der Occupation, wo es im Decumatenlande noch an guten Strassen mangelte, für die Heranschaffung von Kriegsmaterial und Proviant etc. von grosser Wichtigkeit war; ausserdem aber befand sich auf dieser Stelle eine gangbare Furt durch den Main, auf welche die Römer sicherlich Rücksicht nahmen, da das Castell so gelegt ist, dass die Furt — ebenso wie die Brücke bei Grosskrotzenburg — in der Verlängerung der Decumana-front liegt. Endlich ist noch anzuführen, dass auch taktisch die Lage dieses Castells eine günstige war, da Front und rechte Flanke desselben durch Flussläufe gedeckt waren. Versuchen wir zum Schluss noch die Besatzungsstärke des Castells zu bestimmen Nach den im „Römischen Grenzwall bei Hanau“ S. 37 ff. aufgestellten Grundsätzen ist die maximale Besatzung des Castells auf rund 18000 Mann anzusetzen; dasselbe

 

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