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XCII

Donar geweihtes heidnisches Todtenfeld und Heiligthum, unter dessen zum Theil noch vorhandenen grossen Hünengräbern der Warmschleh, d. h. das Grab des Waramann, besonders hervorgeragt haben muss, da die ganze Lokalität darnach benannt ist. leh heisst nämlich im Mittelhochdeutschen der Grabhügel, der im Althochdeutschen hlêo und im Gothischen als hlaio bezeichnet wird. Durch sachliche, geschichtliche und etymologische Erläuterungen wies der Vortragende die Bedeutung dieser höchst interessanten Lokalität nach und brachte dieselbe in Parallele mit der Donars-Mark in Island und in Schlesien, von der auch das gräfliche Geschlecht der Henkel von Donnersmark seinen Namen trägt. Ausserdem ward der enge Zusammhang des Donarcultus mit dem Cultus der Unterirdischen dargelegt und gezeigt, wie in den Volksgebräuehen der Bewohner einzelner bestimmter Höfe in Raden der an dieser Grabesstätte haftende Donarkultus seine Schatten bis in das helle, Tageslicht unserer Zeit hineinwirft.

In der Sitzung vom 18. März schilderte Herr Staatsarchivar Dr. Joachim den sogenannten Schaumburger Kartoffelkrieg des Jahres 1787. Aus dem an interessanten Einzelheiten reichen Vortrag sei hier Folgendes mitgetheilt: Gestützt auf die Bedenken, welche sich gegen die Ebenbürtigkeit der Ehe des Grafen Friedrich Ernst zur Lippe erhoben hatten, erklärte Landgraf Wilhelm IX. die Grafschaft Schaumburg-Lippe nach dem Tode des Grafen Philipp Ernst (eines Sohnes jenes Friedrich Ernst) für heimgefallenes Lehen und besetzte dieselbe im Februar 1787, ohne ernsten Widerstand zu finden. Nur einige Geistliche und die Besatzung der Festung Wilhelmstein entzogen sich der Huldigung an den neuen Landesherrn; von der Ritterschaft weilten die meisten ausser Landes. Die Gräfin-Witwe, Juliane von Hessen-Philippsthal, welche für ihre minderjährigen Kinder die Vormundschaft führte, vermied in kluger Erkenntniss der Lage bewaffneten Widerstand und entliess die Beamten des ihr geleisteten Eides mit der Versicherung, dass sie dieselben in ihre Stellen wieder einsetzen werde, sobald sip durch Kaiserliche Verfügung wieder in den

 

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