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XXXI

[Goldschmiedekunst] schmiedekunst bezeichnet werden; und aus einer Betrachtung der Form- und Stylbehandlung des Bechers ergab sich, dass derselbe vollständig deutschen Charakter habe. Seine Form ist übereinstimmend mit der Form der Aglaiblume, des ersten Meisterstücks der Nürnberger Zunft, sein ornamentaler und fein (allegorischer) figuraler Schmuck weisen auf den Beginn des 17. Jahrhunderts hin, für die Zeit seiner Entstehung fand der Redner eine urkundliche Beglaubigung in einem Eintrag des Neu-Hanauer Rathsprotokoll vom 11. Februar 1615. So wichtig der »Hanauer Rathsbecher« für die Erkenntniss der künstlerischen Bedeutung und des deutschen Charakters der Hanauer Goldschmiedearbeiten älterer Periode uns erscheinen muss, so haben wir die mangelnde Kenntniss weiterer bedeutenderer Werke aus jener Zeit zu beklagen, doch lässt sich bei der allmählich beginnenden Ordnung der fürstlichen, öffentlichen und privaten Schatzkammern erhoffen, dass sich in Zukunft wird eine grössere Anzahl von Werken mit Hanauer Stadtstempel nachweisen lassen. Jedoch wird bei dem Verluste der Meisterzeichen aus jener Zeit die Zuweisung an einzelne Meister auch dann noch Schwierigkeiten bereiten, wenn ein vollkommenes Verzeichniss der Namen der Zunftmeister festgestellt sein wird. Ein solches wurde, soweit es vorläufig möglich war, von dem Redner aufgestellt, und bleibt es künftigen Untersuchungen vorbehalten, dasselbe aus den Todtenbüchern zu vervollständigen und für die innere Entwicklungsgeschichte der älteren Hanauer Goldschmiedekunst zu verwerthen. Ueber die äussere Geschichte geben nur die Einträge in den Rathhausprotokollen Aufschluss, von denen der Redner die bezeichnendsten anführte. Mit dem Absterben der Zunft erfolgte in Hanau auch ein Niedergang der einheimischen Goldschmiedekunst, jedoch gelangte in dem Verlaufe des 18. Jahrhunderts die Hanauer Goldschmiedeindustrie zu einer Bedeutung, die jene ältere Zeit vollkommen in den Schatten stellt und die ihr den ersten Rang neben den gleichzeitig hervorragendsten Stätten der Goldschmiedekunst zusicherte. Die äusseren Gründe hiervon lagen darin, dass die Neustadt Hanau seit ihrer Entstehung ein Zufluchtsort für fremdländische Reformirte geblieben war. Nach dem

 

 

 

 

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