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XXXII

Widerruf des Edikt’s von Nantes (1685) liessen sich flüchtige Franzosen auch in Hanau nieder, von denen die ersten sich in die Zunft aufnehmen liessen, in der Folgezeit, besonders nach dem Jahre 1712, kam dann ein stärkerer Zuzug von französischen Goldschmieden in Hanau an, die sich den Namen Bijoutiers oder Galanteriearbeiter beilegten und die zu den Hanauer Silberschmieden, den einzigen Ueberresten der alten Zunft, anfangs und auch späterhin im scharfen Gegensatz standen (siehe Rathsprotokoll von 1719—1721). Die Versuche der Silberschmiede, die fremden Bijoutiers ihrem Gewerke einzuverleiben, scheiterten, und es tritt jetzt für die ganze Folgezeit eine Trennung ein zwischen den Werkstätten der Silber- und der Goldschmiede. Neben einigen Nachkommen der alten Zunft machen sich unter den Silberschmieden mehr und mehr Meister deutschen Namens geltend, während die Bijoutiers bis zum Ende des Jahrhunderts fast ausschliesslich aus eingewanderten Franzosen bestehen. Für die Geschichte der Hanauer Silberschmiedekunst des 18. Jahrhunderts sind von Wichtigkeit die Processe wegen Führung falscher Silberstempel und wegen Verkaufs geringwerthiger Silberwaaren, ferner die beiden Verordnungen aus den Jahren 1729 und 1735, durch welche der Feingehalt der Silberwaaren festgesetzt wird und für die Probirung, Karatirung und Stempelung der Waare feste Gesetze gegeben werden. Ueber diese Bewegung finden sich in dem städtischen Archiv zu Hanau umfangreiche Akten vor. Die dem Redner bis jetzt bekannt gewordenen Werke aus jener Zeit können keinen besonderen künstlerischen Werth beanspruchen. Anders steht es dagegen um die Arbeiten der Hanauer Bijoutiers. Diese wurden von der Regierung mit allen möglichen realen und personalen Freiheiten ausgestattet und so wuchs immer mehr die Zahl der Frei-Fabrikanten und freien Ouvriers, und ebenso stieg ihr Ansehen und die Würdigung ihrer künstlerischen Leistungen. Die Gegenstände ihrer Fabrikation waren hauptsächlich: Dosen, Degengriffe, Tabletten, Etuis de pièces, Souvenirs, Schnallen und Stockknöpfe, zu deren Verfertigung der Bijoutier der Mitwirkung des Juweliers, des Graveurs und des Emailleurs bedurfte. Von ganz hervorragender

 

 

 

 

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