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Bedeutung war aber die Fabrikation von Dosen und Tabatieren, die noch in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts in hoher Blüthe stand. Die Hanauer Arbeiten konnten wegen ihrer vorzüglichen Ausführung einen Vergleich mit den Pariser Fabrikationsartikeln sehr wohl aushalten, ja sie wurden häufig als Pariser Waaren verkauft, zu welchem Zwecke die Hanauer Fabrikanten sich eines dem Pariser ähnlichen Fabrikationsstempels bedienten. Die Hanauer Goldwaaren hatten einen geringeren Feingehalt als die Pariser, und als im Jahre 1752 die Regierung es zuerst versuchte, in Hanau auch für Goldwaaren einen bestimmten Feingehalt einzuführen und den Hanauer Stadtstempel für solche probemässige Werke obligatorisch zu machen, musste sie von ihrem Vorhaben abstehen, weil sie damit den Ruin der Hanauer Fabrikation herbeigeführt hätte. Bald jedoch scheinen innere Differenzen die Hanauer Fabrikanten genöthigt zu haben, sich selbst im Interesse des guten Rufes ihrer Industrie über gewisse Punkte zu einigen. Im Jahre 1764 treten sie zu einem Corps der Bijoutiers zusammen und geben sich nach dem Vorbilde der damals bedeutendsten Bijouteriestädte Paris, Berlin, Dresden eine Verfassung, die von der Regierung bestätigt wird. Dieselbe hat in vieler Beziehung den Charakter der alten Zunft, schreibt die Verfertigung eines Meisterstücks nicht mehr vor, am wichtigsten sind die Bestimmungen über den Feingehalt der Goldwaaren. Es soll kein geringeres Gold als 18karätiges verarbeitet werden und dieses mit einer kleinen Muschel gestempelt sein, das 19karätige Gold, soll mit einem Vogelskopf bezeichnet werden. Erst nach 30 Jahren (1793) sahen sich die Fabrikanten veranlasst, hierin eine Aenderung eintreten zu lassen, da die auswärtige Concurrenz durch den Verkauf von geringwerthigeren Goldwaaren sie aus ihren Absatzgebieten zu verdrängen drohte. Doch war das Renommée der Hanauer Grossbijouteriewaaren ein so festbegründetes, dass eine Herabsetzung dieser Artikel nicht rathsam erschien, deshalb wurden nur kleine Bijouterien (1796) auf den Gehalt von 8 Karat herabgesetzt. Der Weltruf der Hanauer Goldwaarenfabrikation des 18. Jahrhunderts war begründet durch die Werke der Grossbijouterie, in ihr zeichneten sich besonders

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