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XLI Paulus hatte die letztere, da der schmale Uferrand bei Freudenberg keinen Raum dafür bot, eine Stunde weiter mainabwärts nach Bürgstadt verlegt, wofür u. a. „der Name dieses Ortes und die daselbst, aber namentlich die bei dem nur ¼ Stunde entfernt gelegenen Miltenberg aufgefundenen römischen Alterthümer“ den Beweis liefern sollten. Da aber bei Bürgstadt niemals römische Ueberreste gefunden waren, und es auffällig erscheinen musste, dass das einen Stützpunkt des Grenzwalles bildende Kastell nun gar volle 8 Kilometer rückwärts und ohne optische Verbindung mit demselben, sowie bei Hochwasser gänzlich von ihm abgeschnitten liegen sollte; so hatten sich bei dem Redner die ersten Zweifel gegen die absolute Zuverlässigkeit in die bis dahin für unbedingt richtig gehaltenen Angaben von Paulus geregt. Diese Zweifel konnten sich bei eingehenderer Prüfung der letzteren nur vermehren. Die vom Genannten in seinem erwähnten Werkchen zur Illustrirung der angeblichen Limesstation Bürgstadt aufgezählten römischen Alterthümer und bezw. Inschriftsteine von Miltenberg *) stammen aus einem schon im Jahre 1845 entdeckten kleinen Gebäude inmitten des germanischen Ringwalls auf dem Scheitel des Greinberges (von Paulus prüfungslos als „Kastell“ bezeichnet), welches der Vortragende sich in seiner isolirten Lage wohl als eine Warte zur Vermittelung des Telegraphenverkehrs zwischen dem vermeintlichen kleinen Kastell bei Freudenberg und dem Altstadtkastell zu erklären versucht hatte. Das mitangeführte Inschriftsbruchstück der Sequaner und Rauraker (Brambach C. I. R, Nr. 1744) rührt dagegen aus der römischen Altstadt-Niederlassung her, welche als solche längst ortsbekannt und bereits in der Topographie des Maingebiets von Steiner (1835) behandelt ist. Trotzdem erwähnt sie Paulus in seinem Schriftchen mit keiner Silbe und müsste sie also entweder gleichwohl nicht gekannt, oder (was wahrscheinlicher ist) als in seine Darstellung nicht passend ignorirt haben. Grösstes Bedenken musste es weiter erregen, dass die schnurgerade Fortsetzung der Limeslinie bis zum Main ______________ *) Bei Brambach, C. I. R. Nr. 1739 bis 1743. |
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