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LIV Fürst Heinrich XIII. von Reuss-Greiz folgte — erliess im Dezember 1813 Aufrufe zur Bildung von Freiwilligen-Schaaren und Landwehren. Für Fulda war ein Landwehr-Bataillon vorgesehen, das sich nur mit grosser Anstrengung aufstellen liess, weil das Ländchen, damals 38 Quadratmeilen mit wenig über 100,000 Einwohnern gross, durch die Rüstungen für Napoleons Kriege und den in den Jahren 1812 und 1813 erfolgten Vor- und Rückmarsch grosser Armeen auf das Aeusserte erschöpft war. Hunger und Krankheit hatten die an sich arme Bevölkerung furchtbar dezimiert und den Viehstand heruntergebracht. Anfang März marschirte das Bataillon, wenn auch nicht vollzählig und mangelhaft ausgerüstet, nach Frankfurt ab. Der fehlende militärische Geist bei den undisciplinirten Bauern, aus welchen es bestand, zeigte sich schon darin, dass auf dem dreitägigen Marsch über 90 Mann desertirten. Das Bataillon folgte dann als Etappentruppe den alliirten Armeen und wurde nach Beendigung des Krieges in die rechtsrheinische Pfalz in Cantonnirungsquartiere verlegt. Während alle übrigen Landwehrtruppen, selbst die nächsten Landsleute, in die Heimath zurückgekehrt waren, blieb das Fuldaer Bataillon aus nicht aufgeklärten Ursachen fern davon, obgleich auch ihm die Rückkehr nach beendetem Kriege feierlich bei der Errichtung versprochen war. Ebenso unaufgeklärt ist es geblieben, warum die Mannschaft seit dem 25. April bis zum Eintritt der Katastrophe am 30. Juli keinen Sold erhalten hat. Die Quartiergeber waren der Gäste auch überdrüssig geworden und redeten ihnen ein, dass sie ja keine Verpflichtung mehr hätten, der Heimath fern zu bleiben. Diese traurige Lage bestimmte die unglücklichen Menschen dazu, Selbsthilfe zu suchen, ohne der Folgen zu gedenken. Sie beredeten unter einander, es sei Zeit nach Hause zu gehen, jedoch waren sie der Meinung, das könne nicht geschehen ohne die Fahne, zu der sie geschworen, mitzunehmen. So rotteten sie sich compagnieweise am Abend des 30. Juli zusammen, forderten von dem Kommandanten Major Baron von Zobel die Fahne und, als dieser die Herausgabe verweigerte, nahm der Jäger Vogel dieselbe fort. So zog der grössste Theil des Bataillons ca. 350 Mann — 240 blieben treu
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