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XI

kurze Beschreibung des Büchelchens zu geben, zeigt uns einen Thürflügel mit dichtem Pfeilerpfosten, an welchem ein weissgekleideter, rothumgürteter, dickbäckiger Mann, offenbar ein Wärter, mit flacher Futterschale in der Hand angelehnt, dasteht. Die Thür trägt die handschriftliche Aufschrift: Hochfürstliche Hessen Casselische Menagerie oder Thiergarten. Wie solche der durchlauchtigste Landgraf FRIEDRICH der IIte von Errichtung 1764 biss gegenwärtig an Vierfüssigen und Geflügelten Thieren besetzt gehalten. [Eine zweite andere Hand hat hinten gegenwärtig die Zahl 1789 überschrieben. Sie ist unrichtig.] Auf dem oberen Theile des Pfeilers liest man die Worte: Johann Wilhelm Kammann Nat. d. 17. Januari 1745. [Irrthum bei Ackermann, der 1745 für das Erscheinungsjahr hält.] Auf den weiteren 145 Blättern werden nun die ehemaligen Bewohner der Menagerie teils einzeln, theils zu Gruppen zusammengestellt, zur Darstellung gebracht. Dass die Verfertiger der Bilder nicht etwa eine beliebige Zusammenstellung von Thieren bieten, sondern sich thatsächlich, dem Titel entsprechend, an den im Thiergarten vorgefundenen Bestand gehalten haben, beweist die genaue Uebereinstimmung des bildlich dargestellten, mit den literarischen Angaben über die Menagerie im Allgemeinen wie auch besonders in ganz bestimmten, bezeichnenden Einzelheiten. Unser Buch darf somit den vollen Anspruch auf Glaubwürdigkeit bezüglich des dargestellten Stoffes erheben.

Friedrich’s Thiergarten erhielt sich während des ganzen Verlaufs seiner Regierung. Als der Landgraf aber am 31. October 1785 die Augen schloss, war es wie mit so mancher anderen von ihm gestifteten Einrichtung, so auch mit dem Thiergarten, aus.

Wilhelms des IX. sparsamer Sinn war für solche kostspieligen Unternehmungen nicht zugänglich. So wanderte denn der Rest der Thiere in den Besitz des letzten Herzogs von Pfalz-Zweibrücken Carls II. hinüber*), der bei seinem Prachtschlosse »Carlsberg«, das die

*) Näheres über die Kaufbedingungen hat sich weder in den Akten des Marburger Staatsarchivs, noch in denen des Speyerer Kreisarchivs, wie ich gütiger Mittheilung der Direction des Reichsarchivs in München verdanke, erhalten.

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