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XCIII

[Bibliothekars] thekars, späteren Geh. Regierungs- und vortragenden Raths im Cultusministerium Dr. Moritz Pinder und seiner Frau Sophie, geb. Wilken *). Er besuchte seit seinem 9. Jahre das französische Gymnasium, sodann seit 1855 die Universität seiner Vaterstadt und zwar als Philologe und Archäologe. Von den Lehrern dieser Hochschule frequentirte er Boeckh, Haupt, Gerhard, Trendelenburg, Lepsius. Durch drei Jahre war er Mitglied des philologischen Seminars, dem er während eines Semesters als Senior vorstand. Auch den philosophischen Uebungen Trendelenburgs, den archäologischen Gerhards wohnte er bei. Obgleich er sich später ausschliesslich der Archäologie und neueren Kunstgeschichte zuwandte, verliess ihn doch sein angeborener philologischer Tic nie. Er las noch in späteren Jahren Griechisch und Latein mit Leichtigkeit, ja des Letzteren war er sogar bis zum Sprechen mächtig. Dazu eignete er sich in der Folge mit Leichtigkeit die englische und italienische Sprache an, deren er sich neben dem Französischen, das ihm schon vom Gymnasium her geläufig war, in fliessender Rede bediente. Später zog ihn ein mittelhochdeutsches Kränzchen, das einige Gelehrte Kassels gegründet hatten, in seine Kreise und soll er auch hier als der Gewandtesten Einer stets sich erwiesen haben.

Den Einjährigendienst — um zur eigentlichen Biographie zurückzukehren — absolvirte er gleichfalls in Berlin. In den Jahren 1862 auf 64 weilte er in Italien, vornemlich in Rom, wo er zu dem archäologischen Institut in nähere Beziehungen trat und, sprachkundig wie er war, auch ein Jahr lang der preussischen Gesandtschaft als Dolmetscher attachirt wurde. Während dieser verhältnissmässig kurzen Zeit ist er des Italienischen der Art mächtig geworden, dass er dort mehrere archäologische Untersuchungen in dieser Sprache veröffentlichte, u. A. ,,Gli avanzi dell’ aggere e del muro di

*) Der Sohn hatte später das Glück, seine treffliche Mutter als Witwe bis zu ihrem Tode bei sich in Kassel zu haben.

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