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XCVI

erst geschaffen. Als College stand ihm Gustos Cenz, den wir heute an der Spitze des Naturalienmuseums sehen, zur Seite. Diese beiden Beamten haben dann gemeinsam die so ausserordentlich segensreiche Trennung der Sammlungen des Museums während der Jahre 1880/81, die Naturalien und die ethnographische Sammlung anlangend eingie [einige] Jahre später, bewirkt. Das Museum Fridericianum war durch die stetige Vermehrung der einzelnen Abtheilungen namentlich der Gipse und Naturalien zuletzt derart überfüllt, dass eine Abzweigung zweier grossen Gruppen, der naturhistorischen Sammlungen und der Sammlung mittelalterlicher und neuzeitlicher Kunstwerke unabweislich wurde. Zur Verfügung standen hierfür die Räume des früheren Kunsthauses und die Hallen und Zimmer im Unterstock der neuen Gemäldegalerie. Indess war die Planung, Vorbereitung und Ausführung des Werkes der Ueberführung kein kleines. Es erforderte ebenso viel Einsicht als Vorsicht und Geduld. Mit all’ dem ausgerüstet haben Pinder und Lenz diese schwierige Aufgabe in glänzender Weise gelöst. Die Naturaliensammlungen wurden in das Kunsthaus verpflanzt, desgleichen die ethnologische Abtheilung und nach und nach die sämmtlichen Räume dieses ganz neu geschaffenen Museums für jene Sammlungen nutzbar gemacht und letztere seither ausserordentlich vermehrt.

Im Erdgeschoss der Gemäldegalerie wurden zwei zimmerartige Räume und eine grosse dreitheilige Halle nach der Bellevueseite hin gelegen, zur Unterbringung der Gipsabgüsse nach Sculpturen der christlichen Epochen verwendet und die 8 Zimmer nach Nordwesten und Südwesten für Unterbringung der Kunst- und kunstgewerblichen Erzeugnisse des Mittelalters und der Neuzeit benutzt. Die Aufstellung und Vermehrung der Gipsabgusssammlung war das alleinige Werk Pinder’s, die systematische Unterbringung der ebenso zahlreichen als kostbaren Abtheilung der Antiquitäten die gemeinsame Arbeit von ihm und Custos Lenz, wobei ersterer speziell die Gemmen und Medaillen, sowie die Majoliken ordnete.

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