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CIV

II. Deshalb ist dieser Punkt zur ungefähren Bestimmung der Heeresstellungen wichtig*). Er lag südlich der Porta und zwischen den beiden Heeren vermuthlich. Armin fragt Flavus, ob der Cäsar angekommen sei, er hätte aber bald erkannt, dass das Hauptheer da war, wenn die Unterredung nördlich der Porta stattfand. An der Weser ist nun kein Punkt, wo das so leicht der Fall sein konnte, als bei Vlotho! Diese Furth besteht auch seit Jahrtausenden, das Flussbett ist Fels. Da nun Stertinius bei Flavus war, dürfen wir ziemlich fest annehmen, dass dessen Heer bei Rehme stand, das deutsche dagegen in der Umgegend Rintelns. Es war noch nicht voll versammelt. Dennoch stand es anderen Tags in Schlachtordnung — fast ohne Zweifel südlich der Porta und dem vereinigten Römerheer gegenüber. Armin erwartete also schon dessen Uebergang. Er stand auch nicht da, nach Knoke, um denselben »möglichst zu erschweren«, sondern die Römer in den Fluss zu werfen, wenn sie »ohne Brücken und Befestigungen« übergingen**). Diese Gefahr erkannte Germanicus. Er schlug daher Brücken, vermuthlich auch bei Rehme. Hier war das am leichtesten zu vertheidigen. Knoke lässt eine zweite Brücke bei Minden schlagen. Germanicus habe die Deutschen theilen wollen, »die sich stets auf den Feind stürzten, wo sie ihn erblickten«. Der sonstige Werth einer Brücke bei Minden ist zweifelhaft, — dass die Deutschen abwarten konnten, zeigten sie noch am selben Tage. Germanicus sandte die Reiterei — jedenfalls auch zur Deckung des Brückenschlags — über den Fluss, Chariovalda ging vermuthlich bei Vlotho über***).

*) Knoke legt dem Punkt keine Wichtigkeit bei und hält die Unterredung an vielen Stellen möglich, weil unsere Vorfahren den „homerischen Helden in Sinnen und Stimme“ mehr als die heutigen Gelehrten geglichen hätten. Das mag für Manchen zutreffen, aber bei Vlotho können sich auch Gelehrte wohl erkennen und hören. Hier musste aber Flavus sein Pferd fordern, um in dem Strome kämpfen zu können. Es ist die alte Fluthengosse, Flotowe.

**) Armin machte keinen Versuch, die Brücken zu hindern. Das spricht eher dafür, dass er auch das gar nicht wollte.

***) Doch liegt es auch nahe, dass er bei Porta, Stertinius und Aemilius dann südlich derselben übergingen. Er wurde dann wohl nach Nammen, möglicherweise sogar Bückeburg gelockt.

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