..

CXXXVII

Leichtfertigkeit, das Glück des ganzen Staates aufs Spiel gesetzt zu haben. « Friedrich der Grosse lässt den Kurfürsten hierbei die Worte sagen: „si je vous jugeais selon la rigueur des lois militaires, vous auriez mérité de perdre la vie; mais à Dieu ne plaise que je ternisse l’éclat d’un jour aussi heureux, en repandant le sang d’un prince, qui a été un des principaux instruments de ma victoire!" In diesem Sinne, als Verbrecher gegen das eherne Gesetz des Gehorsams des Kriegers, führt uns Heinrich von Kleist seinen Helden vor, im selben Sinne ist der Prinz ein Jahrhundert lang beurtheilt worden. Lassen wir seinen Lebenslauf in grossen Zügen an uns vorübergleiten, wie Jungfer ihn darstellt.

Friedrich wurde am 30. Mai 1633 als fünfter und jüngster Sohn des Landgrafen Friedrich I. von Hessen-Homburg geboren; durch den 1638 erfolgten Tod des Landgrafen blieb die Witwe, Margarethe Elisabeth zu Leiningen-Westerburg, mit fünf unmündigen Kindern in drückender Lage zurück. Landgraf Georg II. von Hessen-Darmstadt nahm sich der Hinterbliebenen an und liess Friedrich im Alter von 12 Jahren nach Marburg kommen, wo er mit des Landgrafen Söhnen erzogen wurde. Als Pfalzgraf Karl Gustav im Jahre 1654 den Thron Schwedens bestiegen hatte, erpresste Friedrich von seiner Mutter die Erlaubniss, Dienst in dieses Kriegsfürsten Heere zu suchen; der König ernannte ihn — als ersten ausländischen Officier in der schwedischen Armee — zum Obersten zu Ross, mit dem Auftrage, sich in Deutschland ein Regiment zu werben. Bei der Belagerung von Kopenhagen zerschmetterte am 19. Januar 1659 eine Kanonenkugel das durch einen früheren Bruch beschädigte rechte Bein des Prinzen; er schnitt mit einem Messer selbst den nur noch durch die grosse Sehne mit dem übrigen Beine zusammenhängenden Schenkel ab. Als er im September zu Schiffe nach Holland gehen wollte, Heilung zu suchen, verlor er durch Schiffbruch im Kattegat ein eisernes Kistchen, welches sein Geld, andere Werthgegenstände und die Dokumente seiner schwedischen Dienste enthielt, ein in der Folge ihn schwer treffender Verlust.

..