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Hier hielt im Angesichte der nahen, über dem Dorfe Hoof auf steilem Basaltkegel liegenden Trümmer der Schauenburg Herr Buchdruckereibesitzer Döll den angekündigten Vortrag über die Geschichte der genannten Burg und ihrer Besitzer.

Der Vortrag beschäftigte sich zunächst mit der Bedeutung der Burg und den Beziehungen ihrer Besitzer zu den alten Centgerichten und der Gauverfassung. Die Schauenburger waren das mächtigste Geschlecht der Kasseler Gegend und die Inhaber des obersten Gerichts zu Ditmelle. Von dem 1089 genannten Graf Adalbert ausgehend wurde die Geschichte dieses alten Geschlechtes, seine Beziehungen nach ausssen, die Thätigkeit bei der Gründung des Klosters Weissenstein, sowie die Schutzherrschaft über dieses und das Kloster Kaufungen erörtert. Der Erwerb der Burg Wallenstein im Stift Hersfeld führte einen Theil der Familie dorthin; der nachweislich letzte Schauenburger gründete als Adalbert II. von Waldstein das Kloster Nordshausen. — Die Schauenburg und sämmtliche Rechte an sie und das Gericht Kirchditmold gingen dann an Mainz über. Letzteres verpfändete die Burg an verschiedene Familien der hessischen Ritterschaft, bis diese Pfandschaft zu Anfang des 14. Jahrhunderts an die Dalwigks überging. Von ihnen rührt die Anlage des nahe dabei gelegenen Dorfes Hoof her. Mit dem Auftreten der Dalwigks begannen eine Reihe von Fehden, die sich wohl 1½ Jahrhunderte hinzogen, bald mit der Ritterschaft, bald selbst mit Mainz und den Landgrafen. Des bekannten Reinhard des Ungeborenen, einer merkwürdigen Erscheinung in dem Raubritterthum, wurde eingehend Erwähnung gethan. — Der Vortragende gab dann noch in kurzen Zügen ein Bild von der späteren Geschichte der Dalwigks und bemerkte, dass die Burg schon im 16. Jahrhundert wegen Baufälligkeit nicht mehr bewohnt war; er schloss mit einem Hinweise auf die Gedanken, welche angesichts solcher historischen Ueberreste in herrlicher Landschaft sich in dem Beschauer regen.

Der Rückweg führte zur „Alten Drusel“, woselbst die Abendstunden verbracht wurden.

Monatsversammlung am 31. Oktober 1892. Vorsitzender: Bibliothekar Dr. Brunner. Tagesordnung: 1) Bericht über die Thätigkeit des Vereins im Sommer 1892. — 2) Vortrag des Herrn Majors a. D. von Roques: »Die Bekehrung Hessens zum Christenthum« *).

Redner verbreitete sich nach einem allgemeinen Überblick über das Wesen der heidnischen Religionen insbesondere über die Religion der Chatten, die gleich den übrigen germanischen Stämmen die Götterdreiheit des Wuotan, Donar und Ziu verehrten, deren Eigenthümlichkeiten kurz geschildert wurden. Nachdem

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*) Der Vortrag ist abgedruckt im „Hessenland“. 1892. Nr. 24 u. 1893 Nr. l—3. Der Auszug ist von Herrn v. R. eingesandt.

 

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